Der Tod trägt schwarzes Leder (Italien, 1974) Regie: Massimo Dallamano

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Vorher:
Ein Giallo mit Mario Adorf und ein Soundtrack, der an Bud und Terence erinnert. „Der Tod trägt schwarzes Leder.“ Und fährt auch noch auf einem Motorrad umher. Das kann ja eine heiße Kiste werden.

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Mittendrin:
Nach 40 Minuten:
Ich bin begeistert. Ich hatte mir das viel trashiger vorgestellt und dachte, dass ich entweder schmunzele oder angeekelt den Kopf schüttele. Tue ich beides nicht. Ich bin mitten in einem stilsicheren, harten Polizeithriller mit Slasherelementen. Weiter so. Ich jage gerade ein Motorrad.

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Hinterher:
Italien: Ich habe dich als Filmland wirklich unterschätzt. Dachte ich bisher, die guten italienischen Filme sind entweder der ergreifenden Neorealismus oder die Spaghetti Western, entdecke ich hier etwas Neues, das mich total anspricht. Ich hatte gedacht, dass Giallo so eine Art trashiges Guilty Pleasure sind. Aber „Der Tod trägt schwarzes Leder“ war wirklich ein sehr guter Unterhaltungsfilm.
Er kombiniert einige Elemente, die ich unmöglich als zusammen stimmig vermutet hatte. Auf der einen Seite ist er ein temporeicher Polizeithriller mit Action und einem aufbrausenden (und wie ich fand sehr attraktiven) Kommissar, der ohne zu Atem zu kommen im Dienst ist. Auf der anderen Seite ist er eben auch ein Slasher mit einigen harten Szenen. Der Mörder macht sich mit einem Fleischerbeil auf den Weg und es gibt einige abgetrennte Körperteile und Blut wird auch nicht sparsam eingesetzt.
Und, das hat mich am meisten überrascht, der Film fasst sozialkritische, heikle Themen an. Sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen, Kritik am Polizeisystem, die Macht der Presse.

Jede Seite des Films für sich könnte schon einen spannenden, mitreißenden Film füllen. Aber Dallamano schafft es, das alles stimmig in den 90 Minuten unterzubringen, ohne dass der Film irgendwie zusammengestückelt wirkt. Ich habe den Film jedenfalls wie in einem Emotionsrausch erlebt und war angespannt, wütend, traurig und manchmal auch freudig erregt, wenn das Fleischerbeil geschwungen wurde.
Zusammengehalten wurde der Film auch durch die tolle Kamera, das Setting, die Kostüme und vor allem durch den grandiosen Soundtrack, der auch an Ennio Morricone erinnert hat.
Die Schauspieler waren auch super. Die anmutige Staatsanwältin, gespielt von Giovanna Ralli, die mich so wunderbar an Sophia Loren erinnert hat und der wunderschöne, aufbrausende Commisario Silvestri. Mario Adorf hatte nur eine kleine Rolle, konnte aber natürlich trotzdem begeistern.

Ihr merkt, ich gerate hier richtig ins Schwärmen. Überraschungen sind eben das Schönste im Leben. Ich werde auf jeden Fall mit Freuden weitere italienische Gialli sehen. Zwei Filme von Dario Argento habe ich fest in meinem Oktoberprogramm. La vita e bella. La vita e gialla.
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2 Kommentare zu „Der Tod trägt schwarzes Leder (Italien, 1974) Regie: Massimo Dallamano

  1. Gialli sind wirklich großartige Filme! Und die wenigsten sind trashig. Meistens sind es sehr spannende Krimis/Thriller.
    „Der Tod trägt schwarzes Leder“ ist ein Mix aus Eurocrime und Giallo. Ein guter Startfilm.
    Richtig gute Gialli sind noch „Der Killer von Wien“, „Deep Red“, „Blutige Seide“, „Opera“, „Haus der Lachenden Fenster“.

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