Oscar und Ich

Pünktlich zum Oscar Wochenende folge ich endlich einmal dem donnerstäglichen Aufruf der lieben Gorana nach den besten 5.
Als ich 1990 in einem frustrierenden Skiurlaub mit meiner älteren Schwestern als schüchterne 12- jährige nicht viel zu sagen hatte und im Hotelzimmer TV zufällig auf die Oscar Verleihung stieß, war es, meiner eigenen Legende nach, um mich geschehen.
Ich hatte zwar keinen der preisgekrönten Filme gesehen, aber die Show gefiel mir einfach. Die Kleider, die Reden, die Dramatik, das Tamtam. Seitdem habe ich nach Möglichkeit die Verleihung jedes Mal gesehen, meist als Videoaufzeichnung am nächsten Tag.

Ich bin damals in den 90ern in die goldene Billy Crystal Ära ( 7x moderierte er zwischen 1990 und 2000 die Show) reingerutscht. Ein prägnantes Bild dieser Zeit ist, wie Billy als Hannibal Lecter auf die Bühne gerollt wird.
Ich bin der Überzeugung, dass dieser Moment und auch der außergewöhnliche „Big 5“ Gewinn eines Kannibalenthrillers, meine Liebe zu „Das Schweigen der Lämmer“ mitbegründet haben. Aber dazu in den Top 5 mehr.

Vielleicht begeistert mich die Oscar Verleihung auch, weil sie ein wenig wie das Leben ist. Oft ist sie langweilig („Schon wieder Elite Partner Werbung?“, „Schon wieder das Klo putzen?“), aber wir halten dennoch aus.
Denn manchmal gibt es magische Momente, in denen man denkt: „Ja genau, dafür mache ich das alles.“
Die Gefühle, der Glamour, die Lebensfreude, die tollen Geschichten und vor allem die schönen Filme. Und bevor der Letzte das Licht ausmacht, wird allen klar: eigentlich sind wir unseren Eltern dankbar (und oft auch Gott und der Academy.)
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Fahrstühle, Klarinetten und die böse Welt

Dass die Wahl des Besten Films oft eher Kopfschütteln als anerkennendes Nicken verursacht ist ja nichts Neues. Dennoch habe ich in der „Best Picture“ Liste viele Filme entdeckt, die ich sehr mag. Die Auswahl fiel mir nicht leicht, habe ich doch tatsächlich 54 von 89 Filmen gesehen.

Meine Top 5 „Best Picture“ Filme der Oscarverleihung

Annie Hall (Woody Allen, 1977)
Mein liebster Woody Allen Film hat tatsächlich den Oscar gewonnen. Und dabei Star Wars im Regen stehen lassen.
Woody hat lieber Klarinette gespielt, als den Regie Oscar selbst anzunehmen.
Aber Diane war da und hat verdient den Preis als „Best Actress“ bekommen. Das beste Outfit hatte sie aber in diesem Jahr nicht.
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The Apartment (Bill Wilder, 1960)
Jack Lemmon als „Kleiner Mann“, der seine Bude als Liebesnest hergibt und sich beim Fahrstuhl fahren in Shirley MacLaine als Fran Kubelik verliebt. Eine wunderbare Komödie und Gesellschaftkritik von Billy Wilder. Es müssen nicht immer die großen, ernsten Dramen sein, die gewinnen.
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The Godfather Part 2 (Francis Ford Coppola, 1974)
„Das beste Sequel das jemals gedreht wurde“, heißt es vielenorts und ich stimme da zu. Der erste Teil ist toll, aber der zweite Teil ist noch toller. Es gibt Vito Corleones Origin Geschichte, Michaels Aufstieg und natürlich die Fredo Szene!
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The Silence of the Lambs (Jonathan Demme, 1991)
Einer meiner Top 5 Lieblingsfilme überhaupt. Ich bin, seit ich 15 bin, von diesem Thriller fasziniert.
Als ich den Film in der 9. Klasse im Kreise von Schulfreunden als Mutprobe gesehen (Jaja, ich bin ein Spätzünder und hatte mit 13 nicht bereits alle „Halloween“ und „Nightmare on Elm Street“ Teile gesehen), hat der Film auf mich gewirkt, wie bis heute wenige.

Man kann den Film vielleicht als eine Art Initiation in die Erwachsenenwelt einer jungen Frau bezeichnen. Annika und Clarice.
Die Welt, in die die ehrgeizige, aber auch unerfahrene FBI Schülerin hineinblickt, ist unfassbar böse und unerklärlich.
Zugleich behauptet sie sich in der Männerwelt und geht ihren Weg durch die Hölle voll von Sperma, dass ihr entgegen geschleudert wird, Psychospielen mit einem Kannibalen und der Jagd auf jemanden, der Frauen tötet, häutet und sie „anzieht“.

Ich blicke jedes Mal beim Schauen mit der großartigen Jodie Foster in diese Welt und fühle mich wieder wie der Teenager, der entdeckt, dass man als Frau der Welt, so grausam sie auch sein kann, etwas entgegensetzen kann.

Dass Anthony Hopkins bei nur 25 Minuten Spielzeit den Hauptdarstellerpreis erhalten ist ja irgendwie auch irre. Aber zum Wohle der eigenen Organe hat sich niemand getraut, zu widersprechen. Er war halt auch großartig. Tztztztzzzzzz.
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Sunrise (Friedrich Wilhelm Murnau, 1927)
Im Jahr der ersten Oscar Verleihung 1929 erhielt Sunrise neben „Wings“ als Beste Produktion, den Preis für die Beste künstlerische Produktion. Ein Kategorie, die es nur dieses eine Jahr gab. Künstlerisch ist der Film in jedem Fall. Ich habe hier über ihn geschrieben.

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