Nosferatu- Phantom der Nacht (Deutschland 1979) Regie: Werner Herzog

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Vorher:
„Nosferatu“ Den Stummfilm habe ich ja als Teenager gesehen. Der hat sich schon bei mir eingebrannt. Jetzt kommen als Zutaten Farbe, Werner Herzog und Klaus Kinski hinzu. Wenn das nicht furchteinflößend und stilvoll wird, dann weiß ich es auch nicht. Auf geht’s zu einer erneuten Verfilmung meines geliebten Dracula Themas.

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Mittendrin:
Eins weiß ich jetzt schon: Ich muss dringend Herzogs Filme weiter entdecken. Ich finde das klasse, was ich da sehe. Alles sehr künstlerisch und ernsthaft und dadurch schon fast wieder etwas lächerlich. Ich lass das aber nicht an mich ran, sondern bin voller Ernst dabei. Sonst gibt es noch Ärger mit Kinski. Und den will man in diesem Film schon gar nicht mit ihm haben.

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Hinterher:
Mir ist ganz klamm. Ich möchte unbedingt mal durch das nebelige Delft (im Film: Wismar) wandern nach diesem Film. Dafür nehme ich auch die Ratten und Vampire in Kauf.
Das war also Werner Herzogs angebliche 1:1 Version von Murnaus Klassiker. Der ist aber bei mir schon so lange her, dass ich den Film jetzt  frisch genießen konnte. Mir hat er wirklich sehr gut gefallen. Die kunstvolle, etwas trockene und surreale Atmosphäre ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber ich fand es toll.

Der Inhalt dürfte ja bekannt sein. Bruno Ganz als Jonathan Harker fährt nach Transsylvanien, um für Graf Dracula ein Immobiliengeschäft abzuwickeln und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und der Tod reist ein in Wismar.
In melancholischen und düsteren Bildern zieht Herzog das Drama um Dracula auf. Besonders toll fand ich die Einstellungen der langen Reisen von Harker und Dracula, die, untermalt von düsteren Chören, die Landschaft zum Darsteller machen, wie ich es schon bei „Fitzcaraldo“ gesehen habe.
Die menschlichen Darsteller waren natürlich auch eindrucksvoll. Bruno Ganz als Jonathan Harker war sehr gut und Isabelle Adjani als Lucy war mein Highlight des Films. Sie sieht schon zu Beginn des Films aus wie ein trauriger Vampir und spürt die dunklen Wolken aufziehen, noch  bevor ihr Verlobter sich Richtung Rumänien aufmacht. Und letztendlich ist sie nicht das willige Opfer Draculas wie in den anderen Verfilmungen. Als es überall Tote gibt, ihr Verlobter immer seltsamer wird und Dracula sie heimzusuchen versucht, nimmt sie sich der Probleme an und… na, ich will nicht zu viel verraten.
Fällt euch auf, dass ich gar nicht von Klaus Kinski schwärme? Der war natürlich sehr furchteinflößend und genial in der Dracula Rolle. Aber so ist er ja irgendwie immer und genau das hatte ich erwartet. Da haben mich andere Sachen im Film mehr überrascht und begeistert.

Wer also keine Angst vor einem künstlerischen Film, surrealer Stimmung und Ratten hat, der wird wunderbar in Herzogs Variante des berühmten Stoffes eintauchen können. So ging es mir und ich fühlte mich wie eingebettet  in einen Sarg zusammen mit einem Film von Bergman oder Visconti, Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ und natürlich Murnaus Stummfilmversion von „Nosferatu“. Besser kann man doch im Horrorctober nicht in einem Sarg verrotten, oder?

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