The Man in the White Suit (England, 1951) Regie: Alexander Mackendrick

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Vorher:
Als hätte ich von Alec Guinness in seiner Achtfachrolle in „Kind Hearts and Coronets“ vor zwei Jahren noch nicht genug, begegnet er mir heute schon wieder. Ich sehe wieder eine Komödie aus den britischen Ealing Studios.
Guinness ist „The Man in the White Suit“ und dieser Anzug ist den ganzen Film über weiß, weil er eine verrückte Erfindung ist- ein dreckabweisender Stoff.
Ich muss an einen Doris Day Film meiner Kindheit denken, in dem Doris als Industriespionin einem Haarspray auf die Schliche kommt, das irgendwie wasserabweisend ist. Genau weiß ich es nicht mehr. Nur dass der Film „Caprice“ heißt und alles durchgedreht und bunt war. Wie die Briten diesem Thema in schwarz- weiß in den 50ern begegnen- ich werde es sehen. Wer weiß, vielleicht bin ich nachher um einen Komödiengeheimtipp reicher.

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Mittendrin:
Chemie war ja in der Schule mein Hassfach. Da habe ich nie auch nur ein Wort verstanden. Aber unter den Fittichen von dem engagierten und durch und durch sympathischen Alec Guinness habe ich Freude daran. Bisher eine vergnügliche Industriekomödie mit viel Wumms und Charme.

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Hinterher:
Man kann es nicht anders sagen. Alec Guinness ist einfach wunderbar. Ohne ihn wäre die Welt einfach ein Stückchen trauriger. Tauchte er in „Kind Hearts and Coronets“ zwar vielfach, aber nur in Nebenrollen auf, ist er hier der strahlende (Anti)- Held. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er spielt den ein wenig unscheinbaren und sympathischen Erfinder Sidney Stratton, der von Leidenschaft angetrieben wird, einen besonderen Stoff zu erfinden, der unzerstörbar und wasserabweisend ist. Unsichtbar schleicht er sich in die Labore von Textilfabriken, um dort seine Erfindung voranzutreiben.
Auf vergnügliche und sehr unterhaltsame Weise erzählt „The Man in the White Suit“ wie es Sydney ergeht, als die Erfindung plötzlich hinhaut. Ein ziemliches Durcheinander bricht los, aus Industriellen und Gewerkschaftern, die ihre Zukunft in Gefahr sehen. Mittendrin der unschuldige Sydney, der gar nicht so recht weiß, was da gerade passiert. Der Film hat ein gutes, flottes Tempo, verkommt aber nicht zur albernen Klamotte. Er ist eine spannungsgeladene, nachdenklich stimmende Komödie, um ein außergewöhnliches Thema.
Besonders Eindrucksvoll sind auch die Schlussszenen, in denen Syndey einen aus dem Zauberstoff genähten weißen Anzug trägt und wie ein Superheld aus Versehen gegen den Rest der (Industrie)-Welt kämpft. Der Anzug spiegelt seine reine Erfinderseele wieder, die sich der dreckigen Profitgesellschaft entgegenstellt.

Ich musste auch, vielleicht aus aktuellem Anlass, an die vielgelobte US- Serie „Breaking Bad“ denken, die diesen Sonntag ihr Ende findet. Hier steigt ein normaler Familienvater und Chemielehrer innerhalb von 5 Staffeln zum Drogenbaron auf.
Wie auch Sydney Stratton ist Walter White (Huch, beides Alliterationen) zunächst unsichtbar und unscheinbar. Wie Sydney ist Walter richtig gut in dem, was er tut, ohne dass es jemand mitbekommt. Wie Sydney findet Walter seine Bestimmung und geht ihr ohne Rücksicht auf Verluste nach.
Beide schaffen sich ihre eigene Moral und wachsen daran. Und wir lieben sie beide trotzdem.
Wer hätte gedacht, dass der Mann im weißen Anzug im England der 50er Jahre und der Mann im gelben Anzug im New Mexico der heutigen Zeit, ein wenig Hand in Hand dastehen.
Haltet ihr meinen Vergleich für albern? Überzeugt euch doch selbst. Wenn am Sonntag die letzte Folge „Breaking Bad“ ausgestrahlt wurde, braucht ihr doch Erholung. Und die lässt sich mit Alec und diesem schönen kleinen Film sicherlich finden.

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