Alles was wir geben mussten (England, 2010) Regie: Mark Romanek

Vorher:

Jetzt  habe ich euch so lange auf dem Trockenen sitzen lassen. Im  Wonnemonat  Mai gelobe ich Besserung. Los geht es mit einem Film, bei dem ich vor allem die Frage im Kopf habe: Wie haben sie das Buch umgesetzt. Ich habe damals den Trailer im Kino gesehen und fand ihn faszinierend. Aber dann fand ich das Buch in unserem Regal und habe mich erst mal daran gemacht. Das Buch ist eigentlich ziemlich unaufgeregt geschrieben und erzählt ziemlich intensiv und doch seltsam distanziert die Geschichte dreier Internatsschüler, die in einer ganz speziellen und eigenen Welt leben.  Ich spoiler hier mal lieber nicht zu viel. Den Film hat Mark Romanek gemacht, der es geschafft hat, den warmherzigen Robin Williams in „One hour photo“ in seiner verstörendsten Rolle glaubwüdig zu machen. Im Film erwarten mich die Elfen Carey Mulligan und Keira Knightly. Das kann ja nur gut werden.

Mittendrin:

„Natürlich sind die Geschichten wahr, wer würde sich sowas grausames ausdenken.“

„Ich verstand nicht, warum Ruth, die doch Tommy ständig gehänselt hatte, sich entschieden hatte, dass er der Junge war, den sie von allen am meisten mochte.“

„Ich würde niemals behaupten, dass ich immun bin, wenn jemand vollenden will. Aber ich kann damit leben.“

„Sie armen Geschöpfe. Ich wünschte, ich könnte Ihnen helfen.“

„Nur eines kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob sich unsere Leben so sehr von denen der Menschen unterscheidet, die wir retten.“

Nachher:

Was soll ich sagen? Ich wünschte ich hätte das Buch vorher nicht gelesen. Der inhaltliche Clou wird im Film schon nach 23 Minuten verraten. Im Buch bleibt er lange Zeit vage.  Man wird außerdem viel weniger in die Gedanken- und Angstwelt der Protagonisten hineingezogen. Die Wichtigkeit von Nichtigkeiten, die im Buch klarwerden lassen, wie klein die Welt der Figuren ist- im Film wird das nur vage angedeutet.  Er ist voll von bedeutungsschweren Gesten und Blicken, bei denen es oft aber bleibt und die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln sich nicht so richtig, fand ich. Aber das ist ja das alte Lied. Man sollte das Buch ja außer Acht lassen, wenn man eine Verfilmung genießen möchte. Wenn ich das einmal versuche, dann habe ich einen stimmungsvollen und subtil bedrohlichen Film gesehen. So kühl und grausam die Thematik ist, so schön und warm sind die Bilder, Landschaften und das Setting. Dieser Kontrast macht das Ganze noch schrecklicher und unfassbarer. Ein sehenwerter und poetischer Film, mit kleinen Wehmutstropfen , wenn man das Buch schon kennt. Hat jemand den Film gesehen ohne das Buch zu kennen? Wie ist die werte Meinung?

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2 Kommentare zu „Alles was wir geben mussten (England, 2010) Regie: Mark Romanek

  1. Ich hab ihn gesehen, ohne das Buch gelesen zu haben und fand ihn echt toll.
    Die Sache mit den Kleinigkeiten kam für mich auch deutlich genug raus. Man merkte schon, wie sich die Kinder – und so wirklich hören sie auch nie auf, das zu sein – an Kleinigkeiten klammern. Definitiv nichts, was einen kalt lässt.

  2. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Ich kannte das Buch vorher auch nicht und habe den Film hauptsächlich wegen der britischen Darsteller angesehen (die sind ja derzeit die Besten). Klongeschichten kann man ja auch ala Michael Bay/THE ISLAND machen, aber diese Version, diese einfühlsame und gefühlsbetonte Art, gefällt mir wesentlich besser.

    Liebe Grüße von Franzi von filmkompass.wordpress.com
    Meine Kritik gibt’s übrigens hier: https://filmkompass.wordpress.com/2013/08/17/never-let-me-go-2010/

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