Fanny och Alexander (Schweden, 1982) Regie: Ingmar Bergman

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Vorher:
Schön, ich darf meinen dritten Ingmar Bergman Film sehen. Dieses Mal ist es ein Familienfilm in Farbe. Wie ist wohl der 80er Jahre  Bergman? In den bisher gesehenen Filmen war ja gerade das schwarz- weiß auch so prägend für die Stimmung.
Bei Familie und Schweden muss ich an die heile Welt von Astrid Lindgren denken. Ihre Kindheitserinnerungen prägten meine Kindheit und auch mein Schwedenbild. Bergman hat mir diesbezüglich natürlich schon die rosarote Brille von der Nase gefegt und ich denke auch Fanny und Alexander werden nicht mit Pippi und Michel zu vergleichen sein.

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Mittendrin:
Ich heule hier gerade wie ein Schlosshund, denn es haben sich gerade traurige Parallelen zu meiner eigenen Biografie ereignet. Das lässt mich nun gar nicht unberührt und ich habe ein wenig Angst, dass die Trauer nun den Film prägt.
Ansonsten ist der Film wirklich eine Wucht: wunderschön ausgestattet, voller Leben, Liebe und Lust.
Aber natürlich auch, denn wir sind ja bei Bergman, geprägt von den tragischen Themen, wie Alter, Tod und Verlust. Doch so ist wohl das Leben, sei es im Jahr 1907 zu Fanny und Alexanders Zeit oder 1984, als mein Leben einen Bruch erlitt.

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Hinterher:
So, das waren jetzt 3 Stunden Ingmar Bergman und ich bin immer noch und noch mehr Fan. Mir gefallen seine Filme einfach. Das ist doch toll, wenn man einen neuen „Lieblingsregisseur“ hat. Es warten ja noch viele Werke aus seiner Filmografie auf mich. Wenn auch nicht auf der Wilden 13 Reise, weil das so ungefähr sein letzter Film war.

Ich habe die letzten 188 Minuten mit der schwedischen Familie Ekdahl gefeiert, gelitten und philosophiert- eben tatsächlich gelebt. So ist das ja bei Bergman. Leben und Leiden liegen bei ihm nah beieinander- wie im echten Leben.
Der Film startet mit dem Weihnachtsfest 1907. Und was wird da laut und schön gefeiert. Rund um die Großmutter Helena und ihre drei Söhne, deren Ehefrauen und Enkel (zu denen Fanny und Alexander gehören). Doch es wäre nicht Bergman, wenn die Feiertage nicht bald vorbei wären und Fanny und Alexander zum Erwachsen werden gezwungen wären.

Ich habe tatsächlich ziemlich mitgelitten bei dem Film, weil das Schicksal der Kinder sich teilweise mit meiner eigenen traurigen Biografie deckt.
Aber auf der anderen Seite war dieser tragisch- komische Familienfilm auch wie eine Reise in eine fremde Zauberwelt. Ein fremdes Land, eine fremde Zeit, eine fremde Familie. Ich fühlte mich ein wenig wie eine Austauschtochter- ein Gast und doch irgendwie dazugehörig.

Was mich auch begeistert hat, war der geheimnisvolle und mystische Touch den Bergman der blanken Tragik des Lebens gegenüberstellt. Tote tauchen einfach als Gesprächspartner wieder auf, als wäre es das natürlichste von der Welt.

Mich hat bei aller Schwere der Themen wie Tod, Liebe, Sex, Älterwerden und Verlust, Bergman mit der nonchalanten, charmanten und gleichzeitig trocken- humorigen Lebenseinstellung der Ekdahls doch immer wieder versöhnt und mir ein positives Gefühl gegeben.

Dem Titel entsprechend erzählt der Film natürlich auch in großen Teilen die Coming- of- Age Geschichte Ingmars…äh Alexanders. Ist er am Anfang des Films eher Beobachter des Familiengeschehens, muss er bald seines eigenes Schicksal bändigen. Er ist die traurigste und nachdenklichste Figur des Films.

„Fanny und Alexander“ ist ein wirklich schöner Film. Man muss vielleicht einen langen Atem haben, die Marotten der Familienmitglieder ertragen und sich auch mit den unschönen Geschichten befassen. Kennen wir das nicht alle von Familienfeiern? Aber es  gibt auch einiges zu lieben, zu lachen und zu genießen. Und die wunderbare Großmutter Helena ist einer der tollsten Filmcharaktere, den ich in letzter Zeit erlebt habe.

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