Mephisto (Deutschland, Ungarn, 1981) Regie: István Szabó

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Vorher:
Brandauer ist Gründgens und Gründgens ist Mephisto. Nach drei  festen Größen in der Liste der Filmklassiker (Deer Hunter, Apocalypse Now und Raging Bull) kommt jetzt Film über den ich eigentlich kaum etwas weiß. Außer, dass es eine Klaus Mann Verfilmung ist, die vom Aufstieg eines Schauspielers unter den Nazionalsozialisten erzählt.
Eine ziemlich deutliche Hommage an Gustavf Gründgens, auch wenn ein anderer Name gewählt wurde. War Gründgens nicht irgendwie Manns Schwager oder so? Hmm, gefährliches Halbwissen, deshalb nun: Film ab!

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Mittendrin:
Es ist wie erwartet eine One- Man- Show von Klaus Maria Brandauer. Er gibt in jeder Szene Vollgas und ist wirklich großartig und ekelhaft und eitel und leidenschaftlich. So langsam wendet sich das Blatt und die Nationalsozialisten übernehmen die Macht. Wie wird Höfgen (so Brandauers Variation von Gründgens) darauf reagieren? Wir wissen es leider schon…

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Hinterher:
„Ich bin doch nur ein Schauspieler.“  Mit diesem Satz endet „Mephisto“ und wenn man Hendrick Höfgen am Anfang des Films diesen Satz gesagt hätte:  er hätte wie wild getobt. So zeigt der Film, wie ein wahnsinniger und arroganter Schauspieler wie ein kleiner Fisch vom so viel größeren Wahnsinn und von der Arroganz der Nationalsozialisten geschluckt wird.

Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der als Schauspieler genial ist, als Mensch aber versagt. Hendrik Höfgen ist ein begnadeterMime, dem die Bühne in Hamburg bald zu klein ist und der nach Berlin strebt. Sein Ego und seine Eitelkeit sind enorm. Als jedoch die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kommen, wird Höfgens Ego immer kleiner und er kann die schauspielende Maske nicht mehr abnehmen, zu hässlich wäre die angepasste Fratze, die er dahinter sehen würde.

Wie eng sich der Film an Gründgens Biografie hält, weiß ich nicht. Ich habe ihn eher als ein Beispiel für die Mechanismen der Macht der Nationalsozialisten gesehen und als  energiegeladene Paraderolle von Klaus Maria Brandauer. Er wechselt zwischen dem arroganten Privatmann Höfgen, dem begnadeten Bühnenmann mit der Mephisto Interpretation als Höhepunkt und dem traurigen Spielball des preußischen Ministers, der ihn zu einem angepassten Würstchen werden lässt.

Als Brandauers Gegenpart hat mir Rolf Hoppe als Ministerpräsident (Göring) auch sehr gut gefallen. Seine leise und scharfe Art hat mich in jeder Szene, in der er dabei war, den Atem anhalten lassen. Vielleicht auch besonders, weil ich ihn als König in meinem Lieblingsweihnachtsmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Kopf hatte.

Ich kann euch „Mephisto“ wirklich empfehlen. Es ist ein leidenschaftlicher, erschreckender und unterhaltsamer Film, der mich darüber nachdenken lässt, wie weit man für seine egoistischen Leidenschaften gehen sollte und wo die Grenzen liegen zwischen dem öffentlichen und schauspielernden Ich und dem Mephisto in uns allen.
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