Apocalypse Now (USA, 1979) Regie: Francis Ford Coppola

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Vorher:
Ich begebe mich ins „Herz der Dunkelheit“. Ihr wisst sofort von welchem Film die Rede ist, oder? Die Erzählung „The heart of darkness“ von Joseph Conrad in der Tasche begab sich Frances Ford Coppola in die Hölle des Dschungels und drehte diesen Film.
Es geht wieder um den Vietnamkrieg und ich erwarte, dass alles noch viel irrer und unfassbarer ist als in „The Deer Hunter“. Ich habe mich lange gesträubt diesen Film zu sehen, weil ich Angst vor schönem Krieg hatte und vor dem wahnsinnigen Marlon Brando.
Jetzt ist es aber soweit, durchatmen, Wagner hören und dieses Monstrum von Film durchwandern.
PS: Gemäß meiner Zeitreise sehe ich nicht die Redux Version von 2001, sondern die Original Kinofassung.

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Mittendrin:
Wie soll ich hier jetzt in einem kurzen Zwischenfazit dem Wahnsinn an Film gerecht werden, das ich bisher gesehen habe? Meine Erwartungen sind übertroffen. Herrlich, wahnsinnig, übelerregend, wunderschön.
Martin Sheen ist eine Wucht, Marlon Brando noch nicht mal aufgetaucht, obwohl er schon überpräsent ist. Grandios!
Ich fühle mich nicht gut, für den Film zu schwärmen. Aber das macht es doch aus? Intensive Gefühle haben und dabei das Gehirn aus der Schädeldecke schweben sehen.

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Hinterher:
Ich habe mein Hirn so langsam wieder eingesammelt, der Geruch von Napalm ist aus der Nase verflogen und das Gesicht von Martin Sheen ist von meiner Netzhaut in mein Herz gewandert. War das ein guter Film, ein aufregender Film, ein schöner Film, ein irrer Film.
Ich hatte mich bewusst, wie immer auf meiner Filmreise, nicht so viel über den Film informiert, aber sein Ruf eilte ihm voraus. Ich war jahrelang der Überzeugung, dass ich ihn chauvinistisch und abstoßend finden würde und ich ihn, als kein großer Fan von Kriegsfilmen, aushalten müssen würde. Ich habe mich sehr geirrt.

„Apocalypse Now“ ist eine Reise durch den Dschungel, durch den Irrsinn des Krieges und vor allem in die eigene Seele. Ich war mit Körper und Geist während des gesamten Films bei Martin Sheens Charakter Captain Willard. Mit ihm zusammen habe ich von einem Hotelzimmer aus die Reise ins Herz der Finsternis gemacht.
Das ist im Prinzip auch schon der Inhalt des Films. Willard macht sich in den Wirren des Vietnamkrieges auf, den größenwahnsinnig geworden Colonel Kurtz zu liquidieren, der im Nachbarland Kambodscha eine Schreckensherrschaft aufgebaut hat. Seine Reise mit einigen Soldaten auf einem Boot erreicht schon bald einen Wahnsinn, den man sich kaum vorstellen kann.

Der Film baut auf der einen Seite die Spannung durch das Näherkommen des geheimnisvollen Gegners auf. Willard beschäftigt sich mit dem Werdegang des vorbildlichen Kurtz und fragt sich immer mehr: „Warum wurde aus ihm diese Bestie und was erwartet mich am Ziel?“ Mit ihm habe ich während des Schauens gemerkt, dass auch ich immer besessener wurde von dem Ziel der Reise, von dem Horror, der mich in Gestalt des imposanten Marlon Brando erwarten würde.

Aber auch der Weg war das Ziel. Die Reise zum Irrsinn führte durch den Irrsinn. Jede Etappe der Mission zeigte neue Facetten des Wahnsinns des Krieges. Und Copolla besitzt die Frechheit, alles in herzzerreißend schöne Bilder zu kleiden.
Walkürenreitende Helikopter, die Dörfer auslöschen, bunte Rauchnebel, die untergehende Sonne und der Dschungel.
Das hat  mein Hirn dann endgültig dazu gebracht aufzugeben und mich einfach der Schönheit des Filmemachens hinzugeben.
Zum Glück hat Martin auch der hirnlosen, irre gewordenen Annika,das Händchen gehalten und sie sicher durch den Film begleitet.

„Apocalypse Now“ ist pures, irres und böses Filmvergnügen. Philosophie, Gewalt, Schönheit, Schauspielkunst. The Horror, The Horror- The Movie, the Movie. Befreit euch auch mal kurze Zeit von eurem Hirn und blickt der Schönheit der Finsternis ins Auge.
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2 Kommentare zu „Apocalypse Now (USA, 1979) Regie: Francis Ford Coppola

  1. Ich finde, in der Redux-Fassung stimmt das Pacing des Films nicht mehr. Kein schlechter Film, aber die Urfassung ist eben genau so, wie sie sein muss.

    Du solltest wenn möglich unbedingt die Doku über die Entstehung des Films sehen „Hearts of Darkness: A Filmmaker’s Apocalypse“ – Coppola hätte diesen Film buchstäblich fast mit seinem Leben bezahlt. :O

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