Le Fantôme de la Liberté (Frankreich, 1974) Regie: Louis Buñuel

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Vorher:
Vom Hund zum Fantom. Louis Buñuel hatte mich vor 45 Jahren in seiner Zusammenarbeit mit Salvator Dalí mit dem Kurzfilm „Un chien andalou“ verwirrt und begeistert zurückgelassen. Jetzt sehe ich einen Spielfilm von ihm. Wird es eine Handlung geben? Meine vage Erinnerung an „Le charme discret de la bourgeoisie“ sagt mir: Ja und nein. Ich erwarte eine surrealistische Gesellschaftskritik, die böse und unterhaltsam ist.

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Mittendrin:
Sowas kann man sich nicht ausdenken? Doch kann man. Bei Buñuel ist alles möglich und ich bin ziemlich begeistert von der trockenen und giftigen Art, wie er die Bestie Mensch auseinander nimmt. Ich bin gespannt, welche Sünden und welche Schrägheiten hier noch meinen Weg kreuzen. Pokernde Mönche und einen Briefträger im Schlafzimmer hatte ich schon. Der rosa Elefant namens Surrealismus schwebt sowieso über allem. Vive la absurdité!

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Hinterher:
Herrlich! Buñuel hat die gesellschaftlichen Normen das Klo heruntergespült. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Gruppe Menschen trifft sich und jeder setzt sich während der Unterhaltung mit runtergelassenen Hosen auf eine Toilette anstatt auf einen Stuhl. Zwischendurch verabschiedet sich ein Mann ganz verschämt, um in einem kleinen Raum ein Mahl einzunehmen.
Diese und weitere absurde Szenen geben sich in Buñuels „Le fantôme de la liberté“ die Hand. Wie zufällig streift Buñuel durch das gesellschaftliche Leben. Die Kamera bleibt dort kleben, wo es ihr passt. Sie begleitet eine Nebenfigur einer Episode weiter und macht sie zum Mittelpunkt des neuen Kapitels. Wie ein Filmstaffellauf. Alles scheint irgendwie willkürlich und absurd. Die Art des Erzählens und eben besonders die Handlung.

Ich hätte Buñuels Abrechnung mit der verknöcherten Gesellschellschaft ewig zuschauen können und hatte eine große Freude daran, zu überlegen: „Was denkt er sich als nächstes aus?“ Das Ganze erinnerte mich an eine künstlerische Suppe aus Monty Pythons Flying Circus (… and now to somthing completly different) und Twilight Zone. Beides Sendungen, die meine Kindheit und Jugend ein Stück weit aufregender gemacht haben. So etwas nun in einem provokanten Kunstfilm eines Surrealisten wiederzufinden, hat mich sehr begeistert.

Ich bin jetzt Fan von Louis Buñuel und empfehle euch, von ihm auch mal das verstaubte Köpfchen durchpusten zu lassen. Und jedem der sagt: „Mit so einem Kunstquatsch habe ich nichts am Hut“, klopfe ich auf die Schulter, wenn er sich Van Goghs Sonnenblumen oder Dalis zerfließende Uhren in die Wohnung hängt und sage: „Das ist auch Kunstquatsch, nur das hier das Gespenst der Freiheit einfach schon länger drauf sitzt.“
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