Amarcord (Italien, 1973) Regie: Frederico Fellini

rFBSCL2dzYqENErQtoacxkjOLtG
Vorher:
Fellini. Der Name klingt wie Musik in meinen Ohren und mir war klar: er darf nicht fehlen auf meiner Filmreise. Nun habe ich skandalöserweise sowohl “ La dolce Vita“ als auch „8 ½“ bisher übergangen. Dann reise ich eben mit ihm in seine Jugend in den 30er Jahren. Fellini in bunt und als Komödie. Ich freu mich. Schließlich kenne ich bisher nur sein trauriges Außenseiterdrama „La Strada“ und das liegt auch schon 15 Jahre zurück. Ich werfe Konfetti in die Luft und rufe: „Amarcord, ich komme.“

amarcord3
Mittendrin:
Hach, das ist der Fellini, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Schillernd, laut, frivol und überbordend an Figuren, die alle überschäumen vor Emotionen. In der Kleinstadt ist ganz schön was los. Ich als Nordlicht bin da fast schon etwas überfordert. Aber wegen Herausforderungen und fremden Welten bin ich ja auf Filmreise gegangen. Jetzt gerade sind die Faschisten eingefallen und Schatten legen sich über Fellinis Erinnerungswelt.

amarcord-lifting-the-tobacconist-lady1
Hinterher:
Fabelhafter, fremdartiger Fellini! Ich habe mit „Amarcord“ genau das bekommen, was ich irgendwie erwartet hatte. Meine Erwartungen waren aber so verschleiert vage und nebulös, dass ich es jetzt trotzdem total aufregend fand, voll in Fellinis Welt einzutauchen. In diesem Fall war es: Fellinis Jugend.
In traurigen, lustigen, aberwitzigen und temperamentvollen Episoden erzählt der Film das Lebens in einer kleinen Stadt Anfang der 30er Jahre. Feste, Schulalltag, das streitvolle Familienleben, Erwachsenwerden. Hauptfigur ist der blonde Titta, der zusammen mit seinen Freunden die Plagen und Freuden des Lebens kennenlernt.

Aber es gab noch so viele weitere wunderbare Figuren. Die wunderschöne Grandisca, die von der Jungsclique verehrt wird, die skurrile Lehrerschar, die in wunderbar albernen Schulszenen an die eigenen schrägen Lehrer erinnert hat, die ich im Deutschland der 80 und 90er hatte, der anonyme Motorradfahrer, der andauernd knatternd über die Piazza braust oder Tittas Onkel, der einfach auf einen Baum klettert, nach einer Frau ruft und stundenlang nicht herunterkommt.

Fellinis Ansage „Ich erinnere mich“, so die Übersetzung des Filmtitels, war gleichzeitig eine Reise in eine fremde Zeit, in ein fremdes Land und doch auch eine Reise in die eigene Kindheit. Jeder hat doch verklärte, mit der Zeit immer bunter werdende Erinnerungen, einzelne Episoden, die Blinklichter des Erwachsenwerdens sind.

Das war bestimmt nicht mein letzer Fellini Film. Mir hat sein lauter, ein wenig schriller und bunter und sehr eigener Stil gefallen. Ich habe gelacht, war peinlich berührt, verwirrt, habe wunderschöne runde Frauenkörper bewundert, das Leben in Italien in allen Facetten miterlebt und mich selbst (wie so oft) ein wenig wiedergefunden.
Fellini hat mir die knallrote Brille aufgesetzt und mit viel Wehmut setzte ich sie ab und bin wieder erwachsen.
amarcord

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s