The Wild Bunch (USA, 1969) Regie: Sam Peckinpah

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Vorher:
Mit einem Knall verabschiede ich mich aus den 60ern. Besser gesagt mit einer wilden Horde. Passend zur Wilden 13 eben. Mein vierter Western wartet hier auf mich und jetzt geht’s ans Eingemachte. Die Westernromantik ist vorbei und Sam Peckinpah ist nicht zimperlich mit Gewalt, was ich bisher so weiß.
Wird es mehr Schießereien geben als in Bonnie und Clyde? Worum geht es überhaupt? Ist Clint Eastwood dabei? Oder gar Terence Hill? Auf sie mit Gebrüll.

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Mittendrin:
Nach 67 Minuten:
So langsam groove ich mich ein. Einmal mit den Jungs in der Sauna gesessen, ein Bad im Wein genommen und einen Raubzug geplant und ich werde so langsam warm mit der Gangsterhorde. Es hat ein bisschen gedauert und ich bin immer noch nicht so ganz sicher, ob ich den Film in mein Herz schließen werde.  Aber Ernest Borgnine und William Holden sind schon mal ganz toll.

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Hinterher:
Ein Film wie ein Ritt auf einem wilden Maschinengewehr. Ich bin völlig ohne Plan, was ich hier jetzt hinschreiben werde. Der Film hat mich gepackt und angefeindet. Ich habe ihn zwischendurch gehasst, ich habe mit den (Anti) Helden gelacht und war sogar gelangweilt (Gähn, diese ganzen Western Klischees).
Der Schluss hat mich dann nochmal emotional aus den Schuhen geholt. Ich bin jetzt eigentlich noch viel zu benommen, um hier vernünftig über den Film zu schreiben. Aber genau dieses Chaos macht doch meine Filmbesprechungen aus, oder? Ich bin zu begeistert von der emotionalen Kehrtwende, um diese Stimmung nicht in Worte zu fassen.

Inhaltlich möchte ich nicht zu viel verraten, auch weil ich selbst andauernd ins Schwimmen geraten bin.  
Mexiko, 1914. Die etwas in die Jahre gekommene Bande um den charismatischen Pike Bishop (ein Wonne: der alternde William Holden mit Schnäuzer) gerät von einem Ärger in den anderen.
Pikes alter Weggefährte Deke Thornton, der nun Kopfgeldjäger ist, ist hinter ihnen her. Sie geraten an einen selbsternannten, größenwahnsinnigen, mexikanischen General, mit dem sie einen fatalen Deal eingehen. Ja und dann sind da noch die zerschossenen Träume, die eigene traurige Existenz und die Illusion von Freiheit und Männlichkeit.

In den klassischen Westernkullissen baut Sam Peckinpah ein grimmiges und böses Stück Filmgeschichte zusammen. Es gibt die Prärie, die Schießereien in Schluchten, die Schießereien auf Dorfplätzen, ein Massaker zu Beginn und ein Massaker zum Schluss. Zwischendurch gibt es Alkohol in Flaschen, Besuche bei Nutten und jede Menge raubeinige Charaktere mit Herz. Die ganze Westernpalette also.

Aber Peckinpahs Western ist irgendwie anders. Es gibt keine Helden, die Gewalt ist gleichzeitig nebensächlich und bohrt sich doch ins Mark. Ich habe mich überhaupt mit nix und niemandem identifiziert und habe den Film zwischendurch schon als: „Nicht mein Ding“ abgestempelt, um mich nun total fasziniert diesen Text schreibend wiederzufinden. Film macht schon verrückte Sachen mit einem.

Was für ein düsterer, kompromissloser und bitterer Film. Jede Kugel, die hier abgeschossen wird und in einen Körper einschlägt, hat ihre Berechtigung. Ich kann nicht sagen, dass ich mit „The wild bunch“ eine schöne Zeit hatte, aber ich habe einen sehr guten Film gesehen. Ich schreie nicht voller Liebe „Hurra!“ und werfe euch Luftküsschen zu, sondern brülle euch ein hartes: „Los, angucken!“ entgegen.
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