Rosemarys Baby (USA, 1968) Regie: Roman Polanski

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Vorher:
Regeln sind ja da, um gebrochen zu werden. So pfeife ich heute auf meine Erstsichtungspflicht und gucke einen Lieblingsfilm. Ich habe so viele Ideen und Tipps für sicherlich großartige Filme aus dem Jahr 1968 bekommen, dass sich mir so der Kopf gedreht hat, dass ich fast den Teufel gesehen habe.

So kam mir Rosemarys Baby in den Sinn. Ein Film, der mich schon mein ganzes Leben lang begleitet (naja, wahrscheinlich seit ich 14 bin…) und den ich sehr mag. Immer wieder bin ich schockiert, verängstigt und fasziniert von Polanskis Großstadtalptraum. Jetzt habe ich einfach Lust den Film endlich mal auf Englisch zu sehen und ein paar Worte über ihn zu schreiben.
Vielleicht mache ich ja auch ein paar neue Entdeckungen. Auf geht’s zum ca. 8 Mal ins Bramford Haus.

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Mittendrin:
Die Haare sind ab und ich vermisse meine Kurzhaarfrisur. Ich bin sowieso traurig. Weil Rosemary so alleine und isoliert ist. Der Film nimmt mich jedes Mal wieder mit und es ist toll ihn mal auf Englisch zu erleben. Ich habe ein wenig Angst weiterzugucken, weil ab jetzt ja alles nur noch grauseliger und paranoider wird. Aber zum Angst haben sehe ich ihn ja.

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Hinterher:
Der Alptraum ist ein weiteres Mal verklungen und der Film hat seine Wirkung nicht verloren. Die Titelmelodie „Lullaby“ von Krzysztof Komeda reicht schon, um mich wieder tagelang nicht loszulassen. Meiner Meinung nach die beste Filmtitelmelodie aller Zeiten. Eine glockenklare Frauenstimme singt ein Wiegenlied und die Kamera fliegt über den Ort des Geschehens und das Zentrum des großstädtischen Apltraums: das Bramford Haus.

Hier geht für die zarte Rosemary Woodhouse ein Traum in Erfüllung: sie und ihr sehr charmanter und doch etwas zu glatter Schauspielermann Guy ergattern eine Wohnung im dem sagenumwobenen, viktorianischen Gebäude.
Schon bald wird sie in die Welt dieses Hauses hineingezogen worden sein. Die äußerst skurrilen Nachbarn Minnie und Roman haben sich bald mehr in Rosemarys Leben und Familienplanung eingemischt, als ihr lieb ist. Man kennt die Geschichte ja…

Roman Polanski erschafft in „Rosemarys Baby“ ein eigenes Höllentor. Das Bramford Haus steht mitten im pulsierenden New York, doch hier scheint die Zeit still zu stehen. Die Uhren ticken anders, die Frauen tragen unmögliche, schräge Outfits , züchten Kräuter und schwenken Talismane mit übelriechenden Substanzen darin. Die fröhliche Rosemarys versucht dem viktorianischen Muff mit gelben Vorhängen und modernen Möbeln Herr zu werden, doch letztendlich ohne Erfolg. Sie wird mit Ringen unter den Augen eine schwarze Wiege schaukeln.

Mir ist bei dieser Sichtung vor allem Rosemarys Isolation aufgefallen. Sie lebt in der riesigen Metropole voller Menschen. Dennoch ist die in jeder Szene irgendwie allein. Ihr karrieregeiler Ehemann ist schneller dem böser Zaubern der Teufelsnachbars erlegen, als man gucken kann und so steht Rosemarys schneller alleine da, als es ihr selbst bewusst ist.
Rosemary ist keine unrealistisch taffe Gruselheldin, die im Lauf der Handlung wie von Zauberhand unmenschliches Selbstbewusstsein entwickelt, sondern eine ganz normale Frau wie du und ich, der jeglicher Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Ist das nicht viel näher dran am Leben, als uns in einem Horrorfilm lieb ist?

Und so sage ich: „Rosemarys Baby“ ist der furchterregendste Film aller Zeiten.

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2 Kommentare zu „Rosemarys Baby (USA, 1968) Regie: Roman Polanski

  1. Schöner Text! 🙂 …den Platz des furchterregendsten Filmes hat bei mir zwar immer noch Friedkins „The Exorcist“ inne, aber die Faszination für Polanskis Albtraum-Szenario kann ich absolut nachvollziehen. Ganz, ganz tolle Charakterstudie, was die stetig wachsende Abschottung zur Außenwelt angeht. Und grandiose Atmosphäre!

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