Persona (Schweden, 1966) Regie: Ingmar Bergman

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Vorher:
Zwei Frauen aus Schweden im Profil- das muss nicht immer ABBA sein. Ich sehe meinen nächsten Ingmar Berman Film. Der steht ganz im Zeichen des Experimentalfilms. Zwei  Frauen und dabei ist das erste Mal Liv Ullmann.
Was erwartet mich? Gibt es eine Handlung? Wieder viel Traurigkeit? Ich habe als Teenager Woody Allens „Interiors“ gesehen und fand ihn ganz schön deprimierend. Da begegnen sich doch auch Frauen in einem Ferienhaus und Allen ist ja bekanntlich großer Berman Fan. Ist Persona die Vorlage? Alles gefährliches Halbwissen. Das ändere ich jetzt und begebe mich mal wieder in Bergmans Kopf und Welt.

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Mittendrin:
Huch, jetzt ist auf einmal der Film gerissen. Zeit für meine Zwischenschwärmerei. Ich bin wirklich sehr begeistert. Der Film spricht mich total an. Ich finde ihn wunderschön, simpel, zurückgenommen und dennoch warm und mystisch. Jetzt gerade wendet sich das Blatt und es wird irgendwie gefährlich.
Die Frage die ich mir stelle ist: Wird Liv Ullmann überhaupt noch sprechen? Ihr versteht nur Bahnhof, oder?  Keine Sorgen nach dem Film werde ich euch alles erklären können…oder gerade eben nicht…

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Hinterher:
Wer ist Alma? Wer ist Elisabet? Wer bin ich überhaupt? „Persona“ hat mich tief in meinem Inneren aufgewühlt und berührt und ich muss mir überlegen, wie viel von mir ich in diesem Text preisgebe.  Persönlich sind meine Rezensionen ja immer, da kennt ihr mich ja schon recht genau. Wir werden lesen, wie mich die Erinnerung an den Film beim Schreiben mitreißt.

Und mitreißend war der Film für mich auf jeden Fall. Zwei Frauen treffen aufeinander, die unterschiedlich und doch gleich sind. Die gefeierte Schauspielerin Elisabet hört mitten in der Theateraufführung auf zu sprechen und wird in eine Klinik eingeliefert. Die handfeste Krankenschwester Alma betreut sie und es wird beschlossen gemeinsam zur Erholung in ein Sommerhaus zu fahren, denn äußerlich hat Elisabet kein Leiden, nur spricht sie einfach nicht mehr.

Im Sommerhaus kommt es zu einem intensiven Kammerspiel zwischen den beiden Frauen.  Es entsteht eine intime und dennoch fragile Freundschaft. Alma fühlt sich in Elisabeths Gegenwart wohl, erzählt viel von sich und öffnet sich der schweigsamen Schönen. Ist der Aufenthalt anfangs noch wie ein Trip unter Freundinnen mit Spaziergängen,  offenen Zuneigungen und zuneigender Offenheit, wird in der zweiten Hälfte des Films alles verworren, verwirrend und die eigene Seele berührend.
Konflikte brechen auf, Identitäten verschwimmen und ich habe mich gefragt: Ist das wirklich ein Spielfilm oder vielleicht eher eine Projektionsfläche für eine eigene Seelenreise? Bergman zwingt mich mit diesem Film in mein Innerstes zu gehen, meine Persönlichkeit und meine Identität zu hinterfragen.

Die Unfähigkeit der Gesellschaft gegenüber Worte zu finden, was einen wirklich bewegt.  Die Angst sich jemandem anzuvertrauen und völlig zu öffnen.  Sich wie zwei Personen zu fühlen, einerseits die handfeste, bodenständige Krankenschwester, die einen genauen Lebensplan zu haben scheint, andererseits die fragile, kranke Elisabet, die einfach beschließt sich dem Leben zu verweigern und nicht weiter weiß…

Wer völlig seelisch gesund ist (Wer ist das schon?), würde den Film vielleicht als intellektuellen  Kunstquatsch abtun und ihn langweilig finden.
Ich jedoch habe einen neuen Lieblingsfilm gesehen, der formal wunderschön ist, mit Klarheit, intensiven Nahaufnahmen und tollen Schauspielerinnen brilliert und mich bei aller äußerlicher Distanz im inneren Berührt hat wie kein anderer Film zuvor. Bergman ist mein neuer, liebster Filmtherapeut.
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