Les Parapluies de Cherbourg (Frankreich, 1964) Regie: Jaques Demy

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Vorher:
Es wird bunt. Es wird musikalisch. Es wird toll. Auch wenn es regnet. Tut es das überhaupt? In meinem Herzen wird hoffentlich die Sonne scheinen. Wieso gibt es in Cherbourg Regenschirme? Kann Catherine Deneuve überhaupt singen? Ich klopfe dreimal mit dem Schirm auf den Boden und werde es gleich wissen.

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Mittendrin:
Ich bin in einem Zauberland, in dem alle den ganzen Tag singen, alles wunderschön und farbenfroh ist und Catherine Deneuve Schleifen im Haar trägt. Trotzdem ist es dramatisch und realistisch. Ein einzigartiger Film bisher. Die Kitsch Queen ist zufrieden. Der Film trifft voll bei mir ins schwar…neee, pinkgelbblaue.

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Hinterher:
Ein knallbuntes Singspiel, in dem sich die Farbenfreude der Melancholie, der Traurigkeit und dem Schicksal entgegenstellt und sich das Ganze zu einem sehr besonderen Film vermengt.
„Les Parapluies de Cherbourg“ hat mir wie erwartet das Herz geöffent. Wie ein Regenschirm, den man langsam aufklappt, haben sie die Melodien, die Farben, die Charaktere und ihr Schicksal, langsam in meinem Gemüt ausgebreitet. Der Film wirkt lange nach und noch Stunden nach dem Schauen habe ich die Liebesmelodie von Geneviève und Guy vor mich hin gesummt und war vor schöner Melancholie den Tränen nahe.

Jaques Demy inszeniert die Liebesgeschichte zwischen der Regenschirmverkäuferin und dem Automechaniker im nördlichen Frankreich als reines Singspiel. Jeder Dialog wird ohne Ausnahme gesungen, sei es das romantische Date zwischen den Liebenden oder die Wochenendplanungen zwischen Guy und seinen Kollegen.
Das wirkte auf mich am Anfang doch ziemlich künstlich und beinahe lächerlich, aber nach einer Viertelstunde war ich drin im Film.

Ich bin ein Mensch, der sehr empfänglich für Kitsch und Farben ist und für mich ist mit diesem Film wirklich ein ästhetischer Traum in Erfüllung gegangen. In fast jeder Szene habe ich lächelnd die schönen Kleider, die bunten Tapeten und natürlich die Regenschirme bewundert, die sich teilweise fast beißend auf die Netzhaut brannten.
Ich wollte Catherine Deneuve ihre pinke Schleife aus dem Zopf zupfen und sie mir selbst in Haar binden.

So glatt und kitschig und künstlich der Film in seiner Austattung ist, so echt wirkten auf mich die Handlung und Charaktere. Eine simple, aber wirkungsvolle kleine Geschichte. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber so glücklich wie Guy und Geneviève in der ersten Szene sind und die Namen ihres zukünftigen Kindes zusammen aussuchen, werden sie nicht bleiben.

Eine von ganzem und buntem Herzen kommende Anguckempfehlung gebe ich euch für „Les Parapluies de Cherbourg“. Es ist ein brausepulverfarben tapeziertes Märchen, nicht nur für verregnete Nachmittage, sondern fürs Leben.

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