La Jetée, Frankreich (Regie: Chris Marker)/ Lolita, USA (Regie: Stanley Kubrick) 1962

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La Jetée
Vorher:
Heute gibt es seit 1929 das erste Mal wieder ein Double Feature. Besser gesagt, in diesem Fall, einen kurzen Vorfilm. „La Jetée“ ist ein Experimentalfilm, der nur aus aneinander gereihten Fotos besteht und „Am Rande des Rollfelds“ spielt (so der deutsche Titel). Inhaltlich kenne ich nur den Bezug zu Terry Gilliams „Twelve Monkeys“. Ich bin gespannt, welch ungewöhnlicher Film mir zum Anheizen geboten wird.
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Mittendrin:
Nach 13 Minuten:
Ich bin ganz gefangen von den Fotos, der Stimmung, den flüsternden Stimmen und fühle mich auch aus der Zeit gefallen. Sci-Fi trifft auf Kunst- toll!

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Hinterher:
Hui, das war wirklich ein toller Film. Kurz und trotzdem voll mit Inhalt, Stimmung, Traurigkeit und Melancholie. Das ganze wird tatsächlich nur mit Fotos erzählt, die aber so voller Emotionen wie Wehmütigkeit, Hoffnungslosigkeit und Liebe sind, das es spannender ist als eine abgefilmte Geschichte.
Es geht um Vergangenheit, Zukunft, den Dritten Weltkrieg, Unterdrückung und die Liebe. Ich fühlte mich neben „Twelve Monkeys“, auch an „1984“ und „Die Frau des Zeitreisenden“ erinnert.  Und wenn ich auch es schon kannte, war ich sehr mitgerissen von dem bestürzenden Ende des Films.
„La Jetée“ ist ein Science- Fiction-, Liebes-, Experimental,- Zeitreisedrama.  Eine Ode an die Magie des Augenblicks. Schade, dass diese vielen Augenblicke schon nach 26 Minuten vorbei waren.
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Lolita
Vorher:
Als Hauptfilm sehe ich heute einen eher unbekannten und kleinen Film  von einem bekannten und großen Regisseur. Kubricks Verfilmung von „Lolita“. Das ist sicherlich kein Überfliegermeisterwerk wie so manch anderes von ihm, ich bin dennoch gespannt, wie Kubrick sich dem „Lolita“ Thema nähert. Ein Mann verfällt einem frühreifen Mädchen und heiratet ihre Mutter, um ihr nah zu sein. Brisantes Thema, das danach schreit, dass am Ende alles den Bach runter geht.

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Mittendrin:
Nach 65 Minuten:
Der Film hat schon seinen ersten Höhepunkt erreicht. Bisher ein sehr schonungsloser und bitterböser Film mit tollen Schauspielern. Sogar Peter Sellers ist dabei. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich gucke schnell weiter, wie es mit Humbert Humbert und Lolita ausgeht.

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Hinterher:
Lolita heißt eigentlich Dolores? Das ist aber ernüchternd. Wie wäre die Geschichte wohl verlaufen, wenn sie nicht diesen zuckersüßen Kosenamen gehabt hätte? Aber Kubricks Film war sowieso ganz anders als gedacht.

Ich hatte ein fiebriges, verzweifeltes Drama und eine erotische Altherrenphantasie erwartet und bekommen habe ich…Ja was habe ich bekommen? Eine grimmige, skurrile, humorvolle und dennoch niederschmetternde Odyssee eines Besessenen. Frei von erotischer Verklärung geht Kubrick das Thema an und zeigt die zwischenmenschlichen Verstrickungen schonungslos und realistisch. Ich fühlte mich die ganze Zeit leicht unwohl, weil ich diesen menschlichen Dramen so ausgeliefert war.  „Lolita“ ist ein wenig wie ein Theaterstück, das mit scharfen Dialogen die Realität karikiert.
Ich kenne ja Nabokovs Vorlage nicht, aber Peter Sellers chamäleonhafte Rolle, die aus der Menage à Trois eine Menage à Quattre macht und den Film, jedes Mal wenn er auftaucht, weiter ins Absurde führt, fand ich schon sehr befremdlich. Aber hey, ihr wisst es ja mittlerweile: das heißt bei mir etwas Gutes.

Wenn ihr also statt Erotik, Verwirrung, Zeitgeist, tolle Schauspieler und bitteren Humor haben wollt, dann geht mit Humbert Humbert auf seine verzweifelte Lolita Odyssee. Mir hat es sehr gut gefallen und ich freue mich, dass ich Kubrick in meiner Zeitreise unterbringen konnte.
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