L’annee derniere a Marienbad (Frankreich, 1961) Regie: Alain Resnais

Last Year at Marienbad. Photo Courtesy Rialto Pictures.
Vorher:
Der Film mit dem wunderschönen Titel. Ich kehre nach Frankreich zurück und tauche in die Welt des Kunstfilms ein. Bisher hatte ich immer Skrupel, mich auf diesen Film einzulassen.
Es gibt nur Bilder und Gedanken und es passiert nicht wirklich etwas, oder? Aber nachdem ich jetzt die Filmwelt im Sturm erobere und alles einmal kennenlernen möchte, schnüre ich die Kunststiefelchen für einen Spaziergang durch Resnais Welt. Wird sich mir der Sinn des Lebens erschließen oder werde ich hinterher gelangweilt mit den Achseln zucken und nach dem nächsten Western schreien? Ihr werdet es lesen.

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Mittendrin:
Crap, der Film ist so anstrengend wie befürchtet. Alles sehr sehr künstlich, künstlerisch und ernsthaft. Ich dachte ich kann mich total drauf einlassen, aber ich bin doch sehr blockiert. Was mach ich jetzt um den Film irgendwie genießen zu können? Ihn auf jeden Fall nicht verstehen wollen. Ich schmeiß mal das Notizbuch in die Ecke und fege den Kopf leer, der Film füllt ihn schon wieder an.

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Hinterher:
„Seule avec moi.“ Die letzten Worte des Films sind verklungen und ich bin froh, dass ich ihn durchgehalten habe. Ich muss es leider sagen: Das war harter Kunstporno. Ein bisschen so stelle ich es mir vor, wenn man einen Porno von vorne bis hinten anguckt. Am Anfang ja sehr auf- und erregend, aber in Spielfilmlänge dann doch irgendwie ermüdend und repetitiv.
Ich hoffe, ihr schreit jetzt nicht auf, weil ich französisches Kunstkino mit Sexfilmen vergleiche, aber dieser Gedanke setzte sich bei mir fest, als der namenlose Hauptdarsteller der schönen Frau zum 20. Mal bedeutungsschwer „Vous avez peur (Sie haben Angst)“ ins Ohr raunte. Es war alles sehr stimmungsvoll, geheimnisumwoben, schön anzuschauen und künstlerisch, aber ich hatte leider nach 15 Minuten schon den Gedanken: „Puh, das geht jetzt noch über eine Stunde so weiter?“

Resnais hat mich in ein düsteres, barockes Schlosshotel voller Menschen in Abendkleidung entführt. Es wird getanzt, gespielt, gesmalltalked und spaziert. Langsam kristallisiert sich heraus, dass ein Mann eine wunderschöne Dame bereits im letzten Jahr getroffen hat (Wo war es bloß? Eventuell in Marienbad?) und ihr nun diese Begegnung ins Gedächtnis rufen will. Und das macht er den ganzen Film über.
Der Film besteht nur aus einer Wolke von innerem Monolog, Gedanken über die Architektur und ihre Wirkung und Erinnerungen aus dem letzten Jahr. Ob diese der Realität entsprechen oder nicht? Ein Rätsel. Aber das ist der ganze Film sowieso. Wer sind die Menschen? Wo befinden wir uns? Ist das Ganze Traum oder Realität? Woher hat die Frau die tollen Kleider?

Ihr merkt schon, ich schwanke in meiner Meinung über „L’annee derniere a Marienbad“ zwischen Ehrfurcht vor der Kunst, Langeweile und Amusement über die Ernsthaftigkeit. Aber dieses Gefühlsgewusel in mir finde ich ja nun wieder gut und das ist ja für mich auch Sinn der Reise: nicht auf bekannten Wegen laufen, sondern auch mal durch einen Schlossgarten geistern und nicht wissen, was man da eigentlich tut. Und immerhin habe ich jetzt die Idee einen Erotik-Sexfilm auf meiner Reise anzusteuern. Das gehört doch auch zur Filmgeschichte dazu. Dann wird die Wilde 13 wirklich wild! Au weia.
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2 Kommentare zu „L’annee derniere a Marienbad (Frankreich, 1961) Regie: Alain Resnais

  1. bei den stichworten marienbad\erotikfilm fällt mir diese besprechung ein:
    „Dabei vergleicht Ebert in seiner Filmbesprechung The Lickerish Quartet immerhin mit Alain Resnais Meisterwerk L’année dernière à Marienbad (F/I 1961), der es immerhin bei ihm (gerechtfertigterweise) zur Höchstnote **** brachte, ein Vergleich, der in meinen Augen auch überhaupt nicht so weit hergeholt ist, wenngleich ich Metzgers Film eher mit den Werken Allain Robbe-Grillets (vgl. http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2013/07/das-paradies-der-langeweile.html) nebeneinander stellen würde, der aber ja wiederum das Drehbuch zu Resnais Glanzstück verfasst hatte.“
    http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2013/12/erotische-verwirrspiele-im-schlo.html

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