Smultronstället (Schweden, 1957) Regie: Ingmar Bergman

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Vorher:
Heute denke ich zurück an die Anfänge. Zum Startschuss meines Blogs und zum Beginn meiner Zeitreise. Als ich mich vor 2 Jahren getraut habe, das erste Mal über Filme zu schreiben und mit einem Adventskalender (jeden Tag ein Film vom 1.- 24. Dezember 2011) in die Blogwelt eingetaucht bin, war mein erster Film „Das Schweigen“ von Ingmar Bergman.
Mitte 2013 ging  es dann in den Stummfilmjahren wieder nach Schweden, in Form von zwei Filmen von Victor Sjöström (1918 und 1921).
Jetzt ist wieder Advent und auf meiner Filmereise treffen Bergman und Sjöström sich als Regisseur und Darsteller auf dem Land wieder mit „Wilde Erdbeeren“. Vermutlich wird viel geredet und über das Leben sinniert. Ich bin sehr gespannt, wie mir mein zweiter Bergman gefällt und ob mich der nun 36 ältere Sjöström immer noch so begeistert. Was für ein eindrucksvoller Mann. Erdbeeren im November: Ich komme!

Smultronstället
Mittendrin:
Es geht schon wieder um eine Reise. Und ja: es wird viel geredet. Der Film ist aber trotzdem bisher ganz anders als gedacht. Gar nicht streng und düster, sondern eher leicht und melancholisch. Ich habe als Woody Allen Fan übrigens auch schon den Film von ihm entdeckt, der auf diesem basiert. Klar, Woody ist ja bekennender Bergman Fan. Ich werde es vielleicht auch. Ich bin bisher jedenfalls sehr angetan.

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Hinterher:
Der Tag ist vorüber, der Film ist vorüber. Das war also mein zweiter Ingmar Bergman Film. Ich habe ihn jetzt über Nacht einwirken lassen und Isak Borgs Visionen, Träume und Erlebnisse versucht zu verarbeiten. Der Film war sehr vielschichtig und gleichzeitig sehr einfach und das finde ich verwirrend. So soll es ja sein.
Nachdem ich in meinem Mittendrin noch begeistert von der Leichtigkeit war, wurde der Film promt in der zweiten Hälfte viel düsterer, surrealer und hoffnungsloser. Bergman, der alte Schlingel!

Der Film beschreibt die Autofahrt des berühmten Arztes Isak Borg nach Südschweden, wo er in Lund eine Ehrung erhalten soll. Der ernste, pedantische und etwas steife Mann geht mit seiner Schwiegertochter Marianne auf eine Reise, die ihn nicht nur durch das schöne Schweden führt, sondern auch in seine eigene Vergangenheit und in sein Innerstes.
Das Äußere des Films ist einfach. Ein Tag, ein Ziel, eine Reise. Alles in klarem Schwarzweiß. Im Inneren windet sich der Film um die Seele, weckt Gefühle und alte Verluste und zeigt Konflikte auf.

Schon zu Beginn des Films in der Nacht vor der Reise hat Isak einen schockierenden, surrealen Traum, der ihn beunruhigt und schon vorweg nimmt, dass die folgende keine normale Reise sein wird.
Isak und Marianne reisen zu seinem alten Sommerhaus, wo ihm seine alte Liebe Sara beim Pflücken von wilden Erdbeeren begegnet, sie lesen eine fröhliche, wilde Dreiergruppe von Jugendlichen auf, besuchen seine uralte und harte Mutter und sie sitzen viel im Auto und reden. Alt trifft auf jung, Gegenwart trifft auf Vergangenheit, leichte Sommermomente treffen auf offene Konflikte.
So geradelinig der Film auch ist, ich war beim Schauen von „Wilde Erdbeeren“ auf einem Zickzackkurs der Gefühle unterwegs. Bergmans Film ist wie das Leben. Man stellt sich alles wie eine Reise vor, die man versucht zu planen und dann kommt alles ganz anders.

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Er war einerseits so wie erwartet, aber irgendwie besser. Ich kann es schlecht beschreiben, man muss Bergmans Sicht der Welt und des Wesens des Menschen selbst erleben und gucken, ob man was damit anfangen kann. Ich kann es.
Ich habe ein bisschen mehr entdeckt, inwiefern mein Lieblingsregisseur Woody Allen sich von Bergman hat beeinflussen lassen, fand die surrealen, von Symbolik überladenen Traumsesquenzen sehr berührend und gleichzeitig kühl und mir haben neben dem natürlich tollen Victor Sjöström, die weiblichen Darstellerinnen sehr gut gefallen. Sie hatten so etwas klares, trauriges und gleichzeitig warmes und lebensbejahendes. So wie der ganze Film.
Und ich fand das Ende großartig. Ganz unaufgeregt. Aber großartig.
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