The Searchers (USA 1956) Regie: John Ford

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Vorher:
Draußen wird es immer kälter und mein Ausflug in das böse, sonnendurchflutete Städtchen Black Rock ist auch schon viel zu lange her. So hüpfe ich ein Jahr weiter und bleibe im „Wilden Westen“. Diesmal ist ein klassischer Western dran. Zwei wichtige Zutaten dafür sind dabei: John Ford auf dem Regiestuhl und John Wayne vor der Kamera. Wie wird mein zweiter Western der beiden werden?

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Mittendrin:
Mehr Western geht auch nicht oder? Das ist genau die Art Film, die ich erwartet habe. Nicht meine Welt und mir fällt es schwer mich da richtig reinzufinden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich John Wayne hier einfach unsympathisch, arrogant und nervig finde.
Jaja, ich weiß: Kult und optisch ist das alles sehr ansprechend. Bisher reicht mir das aber noch nicht wirklich. Was soll ich machen? Eine Jeans trage ich schon. Ich setze mir einfach meinen schmuddeligen Krempenhut auf, vielleicht fühle ich mich dann männlicher und kann den Film richtig genießen.

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Hinterher:
Und das Gute siegt doch immer wieder. In diesem Fall meine ich damit meine Begeisterung für Film. Egal, welches Genre ich gerade sehe: Ich versuche einfach die Dinge auszublenden, die ich für mich nicht so gut finde und genieße das Tolle. Ich finde mich also damit ab, dass ich John Wayne chauvinistisch und stereotyp finde (Ist seine Art einfach zu oft kopiert und parodiert worden?) und ich sehe einen ganz großen Film.
John Ford hat mich in eine leuchtend rote Schwarzweißwelt entführt, in der die Indianer böse sind und der Texaner eine raubbeinige, gute Seele mit Kampfgeist und Leidenschaft ist. Nachdem ich erst nicht so gut in den Film reinfinden konnte, war ich mit dem Hut auf dem Kopf dann zur zweiten Hälfte plötzlich wie reingesogen in Fords Welt. Die bunten Farben, die bunten Landschaften und die bunte Leidenschaft: ich war fasziniert.

1868: Kriegsheimkehrer Ethan (Wayne) ist mit dem Ziehsohn seines von Indianern dahingemeuchelten Bruders auf der Suche nach dessen entführten jüngsten Tochter Debbie. Diese von Hass auf die Indianer und Rachegelüsten angetriebene Suche füllt den Film aus. So geradlinig und spießig Inhalt und John Wayne sind, so aufregend fand ich den Film auf anderen Ebenen.
Optisch habe ich wirklich ein Meisterwerk gesehen: die Farben, die Landschaft, die Ausstattung- ein Feuerwerk für die Sinne hat dieser Western mir geboten. Ich fand mich in einer übertriebenen Westernfiktion in Knallfarben wieder. Alles ist so übertrieben und klischeebeladen, dass man es einfach toll finden muss.
Großartig fand ich auch die Frauenrollen. Vera Miles spielt die temperamentvolle Nachbarstochter Laurie, die um die Liebe von Ethans Ziehneffen Martin kämpft und Natalie Wood glänzt in einem kurzen Auftritt als Debbie. Sie treten mit ihrer gefühlvollen und starken Präsenz dem alten Knochen Wayne gehörig in den Arsch. Danke Ladies.

Alles in allem war „The Seachers“ für mich also doch ein großartiger Halt auf meiner Filmreise. Und wenn sich am Ende in einem ikonischen Bild der Kinogeschichte John Wayne aus dem Dunkel des Farmhauses allein in die rote Wüste aufmacht, winke ich ihm doch ein wenig wehmütig nach und setze mit einem Anflug von Traurigkeit den Hut ab. Aber der texanische Staub passt einfach nicht zum schwedischen Problemkino das als nächstes auf mich wartet.
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Ein Kommentar zu „The Searchers (USA 1956) Regie: John Ford

  1. Ich war seinerzeit total zerrissen über den Hass in diesem Film. Meine Meinung über Ford mußte ich jedoch etwas revidieren inzwischen, so daß eine Auseinandersetzung mit der Darstellung noch einmal wiederholt werden muß. Einfach nur einen Rassisten abzustempeln ist dann doch nicht ganz gerechtfertigt. Ein schwerer Klos, den du dir da ausgesucht hast. Vielleicht passt der sogar ganz gut zu einem Problemkino, wenn man jetzt mal aussen vor lässt, wo es passiert.

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