Tokyo Story (Japan, 1953) Regie: Yasujirō Ozu

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Ich habe wieder Begleitung auf meiner Filmreise. Björn hat sich „Tokyo Story“ auch angesehen. Seinen schönen Text findet ihr hier:
http://www.yzordderrexxiii.de/tokyo-story/

Vorher:
Spannend! Ich reise heute das erste Mal nach Asien. Nicht wie erwartet Kurosawas „Die sieben Samurai“ ist mein erster japanischer Film, sondern ein Familiendrama. Finde ich toll.
Es geht um Eltern, die ihre Kinder in der Stadt besuchen und um die Generationenunterschiede. So lese ich das jedenfalls aus der kurzen Beschreibung heraus. Ich muss spontan an Doris Dörries Film „Kirschblüten Hanami“ denken, der auch dieses Thema behandelt und auch teilweise in Japan spielt.
Wie hat wohl das Familienleben dort in den 50er Jahren ausgesehen? Ich bin wirklich ganz aufgeregt, weil ich nicht so wirklich weiß, was nun kommt und ich in so ein exotisches Land reise, das leider bis auf zwei Kurosawa Filme und einige Japanhorrorfilme noch nicht von mir filmisch entdeckt wurde. Aber jetzt! Los geht’s…

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Mittendrin:
Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dass ich auf dem Boden sitze. Der Film ist in seiner Machart schon sehr neu für mich. Aber das macht es ja gerade aufregend, auch wenn auf den ersten Blick nicht viel passiert. Ich vermute der Film lässt in meinem Inneren noch viel passieren.

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Hinterher:
„Wenn man nicht aufpasst und sich verliert, findet man sich nie wieder.“
Das war also „Tokyo Story“. Das war eine sehr ruhige und schöne, traurige Reise, die ich mit dem Ehepaar Hirayama unternommen habe. Ich habe dabei andächtig zwei Stunden auf dem Boden gesessen. So kam es mir jedenfalls vor, weil Regisseur Ozu eine außergewöhnliche Kameraperspektive wählt und das Geschehen in den Innenräumen in der Untersicht zeigt, so als würde man bei der Familie mitten im Wohnzimmer sitzen.
Der Inhalt ist, wie ich schon erwähnte, sehr simpel: ein Ehepaar besucht seine Kinder in Tokyo und eigentlich hat niemand wirklich Zeit für die beiden und sie werden ein wenig lieblos hin und her geschoben. Einzig die verwitwete Schwiegertochter nimmt sich der beiden sehr herzlich an. Am Ende wird es nochmal richtig traurig.

Dass ich mich jetzt aber aufgrund des Alltagsthemas und der Kameraperspektive wie ein Familienmitglied gefühlt habe und, wie ich es ja gerne mal erlebe, voll emotional drin war im Film, kann ich nicht sagen. Ich hatte die ganze Zeit das Wort „Filmkunst“ im Kopf. Die ruhigen Bilder, der förmliche Umgang der Familienmitglieder, die Innenraumszenen, die sich mit musikalisch unterlegten Außenaufnahmen abgewechselt haben, haben den Film eher zu einer Meditation gemacht als ein mitreißendes Familiendrama zu sein.

Ich habe mich ein wenig wie eine ehrfürchtige Filmtouristin gefühlt, die in Zeit und Raum gereist ist, um an etwas großem, schönen und gleichzeitig intimen teilzunehmen. Ein Film wie ein heimeliges Abenteuer! Schon wieder etwas Neues für mich. Wunderbar. Ich fühle mich gleichzeitig so wohl und so fremd hier in Japan, dass ich gleich hierbleibe. 200 ganz andere Minuten waren auf mich und ich werde die Achte sein. Seid gespannt!
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