Letter from an Unknown Woman (USA, 1948) Regie: Max Ophüls

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Vorher:
Der Herbst regnet sich ordentlich aus und es wird Zeit für einen schmachtenden Liebesfilm. So schätze ich „Letter from an unknown woman“ ein. Mir schwirren die Worte: Mauerblümchen, unerwiderte Liebe, Tränen und Melodram durch den Kopf.
Ich habe den Inhalt nur ganz kurz überflogen und erwarte ein Flashback in meine Mauerblümchenjahre, als mich die Männerwelt nicht mal wahrgenommen hat. Da bin ich auch dem einen oder anderen Schwarm hinterhergelaufen  bzw habe ihm hinterhergeträumt. Peinliche Briefe habe ich sicherlich auch verfasst.
Ich verwandele mich jetzt 86 Minuten in die schüchterne Joan Fontaine (eine der letzten heute noch lebenden Legenden), aber danach bin ich wieder eure charmante Flirtkanone, versprochen.

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Mittendrin:
Nach 42 Minuten: Ungünstigster Zeitpunkt jetzt. Der Film hat gerade seinen romantischen Höhepunkt und ich befürchte die Hauptfigur den einzigen schönen Abend ihres Lebens. Hach, ist das alles romantisch und ans Herz gehend. Joan Fontaine gefällt mir ausgesprochen gut und ihr Schwarm ist äußerst gefährlich gut aussehend. Ich schau schnell weiter und knabbere an der Zuckerwatte, hoffentlich ist mir am Ende nicht speiübel.

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Hinterher:
„Oh liebe Joan, liebe Lisa, danke für diesen Brief. Er wird nun kaum mehr zu lesen sein, vor lauter Tränen. Ein eleganter und wunderschöner Mann hat mir in den letzten 83 Minuten deine Leidens und Liebesgeschichte vorgelesen. Und daraus ist ein eleganter und wunderschöner Tränenschocker geworden.“

„Letter from an unknown woman“. Der Titel enthält schon alles, was der Film ist. Der leicht ergraute, dandyhafte Pianist Stefan kommt nachts nach Hause und findet einen Brief einer unbekannten Frau, den er mit Entsetzen liest. Es folgt eine Zeitreise in das Leben der jungen Lisa, die ihm in Wien als Mädchen verfällt und deren heimliche Liebe für ihn fortan ihr Lebensinhalt ist. Was für eine Tragik.

Man muss sich schon auf Ophüls wunderschön ausgestatteten Film  einlassen und die Reise in die heimelige und kitschige Welt Wiens um 1900 mitmachen, um den Film genießen zu können. Aber mir ist es, ihr könnt es euch denken, hervorragend gelungen.
Ich liebte Joan Fontaine in der Rolle. Wie sie von einem schüchternen Backfisch zu einer verzweifelten Frau heranwächst- wundervoll. Allein schon ihre Darstellung hat den Film zu einem Erlebnis gemacht. Ja und dann war da noch der elegante Pianist Stefan , der mich auch ein wenig verzaubert hat.

Aber keine Angst, ich bin doch halbwegs mit den Füßen auf dem Boden geblieben. Denn ich bin ja eine ernsthafte Cineastin, die unbedingt weitere Filme von Ophüls sehen will und sich dort halt von anderen Männern verführen lässt.
Außerdem gilt meine Liebe  ja nicht DEM einen Film, Schauspieler, Regisseur oder Filmjahr. Ich nehm sie alle. Im Sturm werde ich die weiteren 65 Jahre erobern. Den großen Liebeskummer habe ich ja nun zum Glück schon hinter mir.

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