La Belle et la Bete (Frankreich, 1946) Regie: Jean Cocteau

SFP-LaBelleEtLaBete-03

Vorher:
1946. Ich verirre mich im Märchenwald. Heute steht Cocteaus „La Belle et la Bete“ auf dem Programm. Und als Kitsch und Märchenfan freue ich mich schon sehr. Das Thema ist natürlich durch den Disneyfilm bekannt und mir als Kind der 80er auch durch die Serie mit Ron Perlmann und Linda Hamilton im Kopf geblieben. Die habe ich aber erfolgreich verdrängt. War die toll oder war die schlimm? Ich weiß es nicht mehr.
Jetzt erwarte ich: tolle Kostüme und Kulissen in wundervollem schwarz- weiß, verpackt in einer romantischen Geschichte, die aber nicht schmierig, sondern mitreißend und herrlich altmodisch ist. Wehe, wenn nicht. Dann verwandele ich mich in ein Biest.

candelabra

Mittendrin:
Nach 44 Minuten: Ich weiß jetzt auch nicht, was los ist. Ich habe mir vorhin einfach nur eine Rose von einem Strauch abgebrochen und plötzlich bin ich diesem surrealen Traum. Überall Nebel, Arme und diese betörende Musik. Ich trage plötzlich ein prunkvolles Kleid und Glitzerschmuck überall. Und da vorne huscht irgendwer durchs Haus. Sieht äußerst furchteinflößend aus. Wenn ich mich in 45 Minuten nicht melde, wisst ihr, dass das kein Traum war. A bientot!

belle-et-la-bete-1
Hinterher:
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lächelt sie noch heute. Mehr Märchen geht wirklich nicht. „La Belle et la bete“ hat meine hohen Erwartungen übertroffen und ich glaube immer noch zu träumen. Das war ein Film, wie ihn sich ein kleines, phantasievolles Kind mit Hang zum Morbiden hätte ausdenken können oder eben ein französischer Dichter, Maler und Regisseur wie Jean Cocteau.
Er erzählt die Geschichte einer schönen jungen Frau, die zuhause von ihren zwei Schwestern zur Dienstmagd degradiert wird und von ihrem vom Weg abgekommenen Vater an ein Biest auf sein (alp) traumhaftes Anwesen wegegeben werden muss. Dort nähern sich die Schöne und das Biest vorsichtig an. Man kennt die Geschichte ja.
„La Belle et la bete“ besticht vor allem durch seine Form. Das Setting hat mich in einen Traum entführt. Im Schloss des Biests ist alles geheimnisvoll und anders. Die Kerzenleuchter werden von echten Armen gehalten, die aus den Wänden ragen, Türen können sprechen und das Zimmer, in dem Belle beim Biest ein Zuhause findet, ähnelt einem Wald. Ich konnte gar nicht aufhören zu lächeln, als ich mit Belle durch das Schloss gestreift bin. Alles war so schön und gleichzeitig so gruselig.
Dem morbiden Charme des Settings stellt Cocteau prächtige und glitzernde Kostüme entgegen. Belles irrsinnige Kleider, die in jeder Szene im Schloss wechseln und die mit Perlen und Diamanten besetzt sind, die Mähne des Zauberpferdes Magnefique, das die Menschen zwischen den Welten hin und her trägt und nicht zuletzt das Kostüm des Biests, mit dem er seinen behaarten Körper zu verstecken versucht.
Ich muss zugeben, dass ich zuerst ein wenig schmunzeln musste, weil es ein wenig aussieht wie ein löwenähnlicher Renaissance Elvis. Das Lachen ist aber einer verwirrenden Sympathie gewichen. Das Biest ist sehr höflich und menschlich und gleichzeitig animalisch und unbeherrscht. Eine explosive Mischung.

Cocteaus Märchen wird durch herrlich pathetische Dialoge zu einer heillos übertriebenen, kitschig- surrealistischen Filmseifenblase abgerundet, die nach 67 Jahren immer noch wie ein frischer Traum wirkt.
Ich reibe mir vor Begeisterung die Augen, in der Hoffnung dort keinen Schlaf, sondern Diamanten zu finden, wie Belle, als sie in einer Szene weint. Wer weiß, mit Cocteaus Film im Herzen ist alles möglich.

jean_cocteau_la_bete-scaled500

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s