Les Enfants du Paradis (Frankreich, 1945) Regie: Marcel Carne

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Vorher:
Von der Hölle ins Paradies. Von den USA nach Frankreich. Vom Versicherungsvertreterbüro auf den Jahrmarkt. Heute schwebe ich fast drei Stunden lang durch Marcel Carnes Welt der Artisten und der Liebe. „Les Enfants du Paradis“ stelle ich mir als wunderbaren, luftigen Liebesreigen vor, bei dem vielleicht auch gelitten wird, aber vor allem die Gefühle Zirkus spielen. Ich schmink mir eine Träne ins Auge und ein Lachen ins Gesicht.

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Mittendrin:
Nach 89 Minuten:*Gong* Halbzeit im Theater. Leicht frustriert nippe ich an meinem Pausensektchen. Und stelle mir leicht gelangweilt die Fragen: „Wird Garance mir noch symaptisch?“ „Werde ich bei allem diskutieren über die Liebe auch bald Empfindungen für diesen Film haben?“
Bisher fällt es mir schwer reinzukommen. Ich bin wie die gelangweilte Hauptfigur Garance- es wird mit allen Mitteln um mich gebuhlt, doch ich lächle nur müde. Dabei sehe ich doch viel eher so aus, wie der traurige und leidenschaftliche Pantomime Batiste.

Les-Enfants-Du-Paradis-Review-BFI-London-Film-Festival-2011

Hinterher:
Die Liebe im Paris des 19. Jahrhunderts im Theatermilieu. Mittendrin Garance, die schöne und arrogante Lebefrau, der wirklich alle Männer in ihrem Umfeld zu Füssen liegen. Der Gauner Lacenaire liebt niemanden, aber sie ein bißchen. Der Schwerennöter Frederic fängt mit ihr eine Affaire an und verliebt sich auch in sie. Der Graf de Monteray verehrt sie und kauft sie aus ihrer Armut heraus. Der Einzige, den sie zurückliebt, ist der traurige Pantomime Batiste, dessen Liebe sie sich aber nicht anzunehmen traut.
Was für ein Liebeskarussell. Das ganze spielt sich im Jahrmarktgetümmel, auf Bühnen und hinter den Kulissen des Theaters ab. Das hört sich nach einer explosiven Emotionskanone an, die mich in den Filmolymp geschossen hat, oder? Leider bin ich relativ gelangweilt im Bühnengraben gelandet.
„Kinder des Olymp“ dauert annähernd drei Stunden und hätte locker mit flottem Tempo in 90 Minuten erzählt werden können. Es wird sehr sehr viel über die Liebe geredet, über das Leben und die Freiheit und nochmal über die Liebe. Emotionen oder zwischenmenschliche Gefühle wollten bei mir aber dennoch nicht so richtig ankommen.
Wie ich schon in der Halbzeit festgestellt habe: Mir war auch einfach die Hauptfigur Garance, die ja so viel Liebe auslöst und selbst kaum Liebe oder Leidenschaft ausstrahlt, total egal, ja sogar unsympathisch. Schlechte Bedingungen, um mit ihr 180 Minuten zu verbringen.
So muss ich leider, zum ersten Mal auf meiner Filmreise, sagen: Meiner Meinung nach könnt ihr euch diesen Film sparen. Ich fand ihn einerseits übertrieben geschwätzig und auf der anderen Seite übertrieben ernsthaft. Für mich hat das kein stimmiges Ganzes ergeben, sondern leider einen viel zu langen Film, den ich wahrscheinlich doch recht schnell vergessen werde.

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