Double Indemnity (USA, 1944) Regie: Billy Wilder

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Vorher:
Düster schreite ich dem Herbst entgegen. Mein erster Film Noir wartet auf mich. „Double Indemnity“ wurde mir von mehreren Seiten ans Herz gelegt und ich denke dennoch: „Das kann doch gar nicht so düster werden. Das ist Billy Wilder, der mir mit dem Komödienknaller „Some like it hot“ meine Jugend versüßt hat und dessen Irma La Douce meine Vorliebe für grüne bzw bunte Strumpfhosen begründet hat.“

Möchte ich mich von ihm an einem sonnigen Augusttag in die Finsternis führen lassen? Natürlich! Das ist ja Sinn dieser Reise. Neue Filme, neue Genre, neue Gefühle, neue Ängste. Wenn es zu schlimm wird, kann ich mich ja an meiner grünen Strumpfhose festhalten.

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Mittendrin:
Nach 52 Minuten: Ich kann mich hier jetzt nicht lange aufhalten. Der Film ist schließlich gerade auf dem Höhepunkt. Wobei er eigentlich bisher auf so hohem Niveau ist, das es höher kaum geht. Ich bin ziemlich begeistert.
Es ist gefährlich, temporeich und toll. Die Dialoge sind grandios. Ich stelle mir gerade die Frage, ob es überhaupt moralisch vertretbar ist, sich mit dem Bösen so zu amüsieren. Na klar, die grüne Strumpfhose ist in die Ecke geflogen und ich trage eine schwarze, seidene- eine die zum Verhängnis werden kann. Film Noir: du hast mich.
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Hinterher:
Hattet ihr schon mal ein heimliches Treffen im Supermarkt mit verstohlenen Gesprächen zwischen Konserven? Ich fände das furchtbar aufregend. Ich muss aber auch zugeben, die Odyssee, die der Held Walter Neff in „Double Indemnity“ drum herum durchmacht- darauf würde ich gerne verzichten.
Ein Held ist er nämlich gar nicht, sondern gerät in einen Strudel des Bösen und des Verbrechens. Er selbst erzählt uns aus dem Off seine aufregende, dramatische und zerstörerische Geschichte. Ich war von Anfang wie gefangen von den Erlebnissen des braven Versicherungsvertreters, für den die simple Verlängerung einer Versicherung bei einem Kunden, mit der anziehenden und aufregenden Barbara Stanwyck, die einfach nur eine Treppe herunterkommt, zur leidenschaftlichen Umkehr seines Lebens wird. Meine erste Femme Fatale betritt die Filmbühne.

„Double Indemnity“ ist nicht nur ein düsterer Film Noir, sondern ein spannender Krimi und ein menschliches Drama mit einem wahnsinnig kompakten Plot und grandiosen Dialogen. Kein Satz war langweilig und keine Szene war zu viel. Und umgekehrt. Das finde ich schon enorm bei einem Film, der fast 70 Jahre alt ist. Ich habe nicht in Ansätzen gedacht: „Ach ja, ist halt ein alter schwarz- weißer Schinken.“

Jetzt habe ich einen weiteren Billy Wilder Film in der Riege meiner Lieblingsfilme. Zu “Some like it hot”, “The Apartment”, “Witness for the prosecution” und “Sunset Boulevard” gesellt sich nun auch “Double Indemnity”. Ein düsteres Meisterwerk, das aber nicht deprimiert, sondern mich einfach über 100 Minuten glücklich gemacht hat, weil es so gutes Kino ist. Mir hat es einfach Spaß gemacht, in den Abgrund der menschlichen Leidenschaften zu blicken und in die Welt des Film Noir eingesogen zu werden. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch? Vielleicht, aber ganz sicher ein Filmfan und eine Frau mit cineastischem Gewissen.

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