La grande illusion (Frankreich, 1937) Regie: Jean Renoir

opt_003259

Vorher:
Jetzt endlich lerne ich einen DER großen Regisseure der 30er Jahre kennen. Jean Renoir, den Sohn des berühmten Malers Auguste Renoir. Seine Filme gelten als Glanzlichter des Poetischen Realismus. Ich sehe mir „La grande illusion“ an, der überall als Meisterwerk der Filmgeschichte angepriesen wird. Der Film spielt zu Zeiten des Ersten Weltkriegs und beschreibt das Aufeinandertreffen verschiedener Kriegsgefangener. Es ist kein Kriegsfilm, sondern eher ein Sozialdrama mit pazifistischer Botschaft.
Hui, das sind ganz schön viele Großartigkeiten vorneweg. Und jetzt lese ich auch noch, dass der Exzentriker Erich von Stroheim, dessen Regiearbeit mit „Greed“ mir so gut gefallen hat (siehe 1924), als Darsteller dabei ist. Und außerdem treffe ich die wunderbare Dita Parlo wieder, deren große Augen mich auf dem Schiff „L’Atalante“ so begeistert hatten (siehe 1934). Können die Erwartungen noch größer sein? Kaum. Deshalb schnell loslegen….

la-grande-illusion-37-04-g

Mittendrin:
“So you’re digging a hole- like Monte Cristo. What a laugh.”

“Streng verboten!”

“Out there, children play soldier… In here, soldiers play like children.”

“I want to hear a French voice.”

“But it’s war. No room for sentiment.”

“Fenster aufmachen. Es stinkt ja zum Kotzen.”

“But I’m sorry to see you here.“

“Believe me, I don’t know who is going to win this war the end, whatever it is will be the end of the Rauffensteins and the Boeldieus.”

“All I know is you’ve been a real pal.”

“Lotte hat blaue Augen.”

“We’ve got to end this damn war….and make it the last.”

SCRATCH

Hinterher:
Was für ein Film zur “Silberhochzeit”. Ich hätte mir keinen besseren Film als „La grande illusion“ aussuchen können, um das erste Viertel meiner Filmreise abzuschließen. Der Film feiert das Leben, die Freundschaft und die Nächstenliebe und das mitten im Krieg (im Film) und kurz vor dem Krieg (in der Realität).
Jean Renoir lässt mich mit einem französischen Jadgflieger und einem hohen Stabsoffizier in deutsche Gefangenschaft geraten. Wer nun ein leidendes, hasserfülltes Gefangenschaftsdrama erwartet, ist weit von Renoirs Intention entfernt.
In der unmenschlichsten aller Situationen, dem Krieg, zeigt er uns im Mikrokosmos des Lagers, wie gut der Mensch sein kann. Die Deutschen sind keine folternden Monster, sondern behandeln ihre Gefangenen höflich und mit Respekt. Die Gefangenen richten sich in ihrer Situation ein, knüpfen Freundschaften und schmieden Ausbruchspläne. Auch hier wählt Renoir nicht den offensichtlichen Weg und inszeniert ein reines Ausbruchsdrama, das darauf abzielt das die „guten“ Franzosen den „bösen“ Deutschen entkommen.
„La grande illusion“ ist vielmehr ein buntes Panoptikum an Nationalitäten, Charakteren und Klassenzugehörigkeiten. Der Film lebt von den Dialogen. Die Charaktere sind durch die Gefangenschaft in ihrem Handeln eingeschränkt und diskutieren. Über das Leben, den Krieg und ihre Freiheit. Sie feiern und essen und versuchen einfach menschlich zu bleiben.
Ich erwähne das Wort „Mensch“ zu oft, oder? Aber das ist genau das was mich an dem Film fasziniert hat. Dass Renoir mir als 36- jährige Frau in einem 75 Jahre alten Film voller Soldaten eine so warmherzige und lebensbejahende Welt zeigt, das begeistert mich einfach und zeigt mir wie groß die Leistung von Film sein kann.
Ich erwähne im „Vorher“ Text Erich von Stroheim und Dita Parlo und die beiden haben mir auch sehr gut gefallen. Vor allem  von Stroheim, der mir die rührendste Szene des Films beschert hat, an die ich zwei Tage nach Schauen des Films noch mit Gänsehaut denke.
Aber ich bin auch ganz schwer verliebt in Jean Gabin. Sein Erscheinen im Film hat mir dauerhaft weiche Knie beschert. Seine Ausstrahlung hat den Film für mich noch toller gemacht und dafür, dass Renoir mir am Schluss des Films noch eine Liebesgeschichte mit ihm geschenkt hat, möchte ich einfach jemanden umarmen. Renoir, Gabin, Von Stroheim und die ganze Welt. Und auch jeden von euch, der sich nun diesen Film anschaut!

grande-illusion-la-1937-003-00o-12f-parlo-serving-gabin-dalio_590

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s