L’Atalante (Frankreich, 1934) Regie: Jean Vigo

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Vorher:
Es geht wieder nach Frankreich.  Auf einem Binnenfrachter begegne ich einem Liebespaar. Hört sich öde an? Ist es aber bestimmt nicht. „L’Atalante“ ist der letzte Film des jungen Filmemachers Jean Vigo, der leider nach der Premiere verstarb. Er war erst 29 Jahre alt und hat nur zwei Filme gemacht. Dennoch gilt er als Schlüsselfigur des französischen Kinos. Wahnsinn! Außerdem denke ich gerade daran, dass ich mit 11 Jahren meine bisher einzige Kreuzfahrt gemacht habe, auf einem Schiff namens Atalante. Das muss dann ja was werden. Ahoi!

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Mittendrin:
„Wishing you a happy life abord l’Atalante. “

“Last year, I saw your face in the water.”

“Don’t worry. There’ll be places to see.”

“Who’s the boss here anyway?”

“I’d like to go out for the town at once.”

“I dreamed you went out and left me. What a nightmare.”

“There are stranger things, than playing a record with your finger.”

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Hinterher:
Achtung Leute! Jetzt wird geschwärmt! Ich bin hin und weg von „L’Atalante“. Das war für mich Kino in Reinform. Ich habe gleichzeitig geträumt und war wach. Ich kann den Film schwer mit Worten erfassen und versuche es dennoch, um euch ein wenig für diese tollen 1 1/2 Stunden zu begeistern.
Der Inhalt ist so simpel und komplex wie das Leben selbst. Frischgebackene Eheleute beginnen ihr Leben auf dem Frachter L’Atalante, wo der Mann Jean Kapitän ist. Dort wird gestritten, gelacht, getanzt, Wäsche gewaschen und über den skurrilen, aber dennoch väterlich herzlichen Seemann Pere Jules geschimpft und gestaunt.
Das alles ist ans Herz gehend echt und gleichzeitig wie ein Traum. So einen ungekünstelten Film, der das Alltagsleben beschreibt, hatte ich ungefähr in den 60ern zur Nouvelle Vague erwartet. Und dann das! Liebe Kinogeschichte, du bringst mich immer wieder zum Staunen.
Wenn als Höhepunkt des Films das Liebespaar durch einen albernen Eifersuchtsstreit getrennte Wege geht, schafft es Vigo durch tolle Ideen, die Surrealismus, Realismus und Kamerakunst verbinden, die Sehnsucht und Verzweiflung der Beiden in Bilder zu fassen.
In der schönsten Szene springt Jean vor lauter Verzweiflung  ins Wasser. Er  taucht dort umher, in der Hoffnung, der Satz seiner Geliebten „unter Wasser siehst du den, den du liebst“, möge wahr werden.
Wird Jean sich der Liebe Juliettes bewusst? Werden die beiden sich wiederfinden? Wird der exzentrische Pere Jules sein Grammophon reparieren können? Das werdet ihr erfahren, wenn ihr den Film seht und glaubt mir, es wird euch sehr berühren.

Mich hat der Film wunderbar in seinen Bann gezogen. „L’Atalante“ spielt in einem anderen Land, in einer anderen Zeit und in einer anderen Welt, als es meine Lebensrealität ist. Dennoch habe ich mich bisher selten so Mitten in einer Geschichte gefühlt.
Vielleicht war ich eine der zahlreichen Katzen an Bord der “ L’Atalante“, die alles beobachtet und mitfühlt. Die sich gleichzeitig sorgt und wundert, was die Menschen mit ihren zahlreichen Emotionen alles so an Glück und Unglück empfinden können. So fühlt sich Leben an. So fühlt sich Leidenschaft an. So fühlt sich Filmkunst an. Lacht ihr gerade? Ich hatte euch gewarnt. Ich bin ein schwärmerischer Mensch und „L’Atalante“ hat meinen Nerv getroffen. Ich springe jetzt in den Fluss und tauche nach Liebe. Wahrscheinlich wird mir dort eine Filmrolle erscheinen!

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