Le Passion de Jeanne d’Arc (Frankreich, 1928) Regie: Carl Theodor Dreyer

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Vorher:
Wenn man über einen Film liest, dass die Originalfassung in den 80er Jahren in einer norwegischen Anstalt für Geisteskranke wiederaufgetaucht ist, muss man ihn sich anschauen, oder? Carl Theodor Dreyers Verfilmung des Jeanne D’ Arc Stoffes gilt als eine der Besten. Mir hat ein Freund schon in höchsten Tönen von diesem ungewöhnlichen Film erzählt. Alles ganz minimalistisch, instensiv und toll. Und nachdem mir vom Dänen Dreyer der in Deutschland entstandene Film „Vampyr“ sehr gut gefallen hat, leide ich gerne und voller Spannung mit der tapferen Johanna mit.

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Mittendrin:
„How old are you? “ „19- I think.”

“Why do you dress as a man?”

“I have great sympathy for you.”

“So you are certain of being saved?”

“You are no daughter of God, you are one of Satan’s gang. “

“On no account must she die a natural death, she has cost me too much for that.”

“We will make one last attempt to save this lost soul.”

“Never before in France have we witnessed a monster like her.”

“Sign, Jeanne and save your life.”

“We have come to prepare you for death.”

“Dear, dear Jesus. I accept my death willingly.”

“You have burned a saint.”

“Jeanne, whose heart has remained the heart of France. Jeanne, whose memory for all time will be honoured by the people of France.”

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Hinterher:
Hui, so langsam habe ich mich aus der emotionalen Decke wieder rausgerollt, die mich umschnürt hat. Immer enger hat mich „Le Passion de Jeanne D’Arc“ umfangen, während ich diesen Film gesehen habe. In den ersten 20 Minuten habe ich noch etwas skeptisch gedacht: „Ach herrje, das wird ja auf Dauer langweilig, nur diese Befragung der armen, mitleidig schauenden Frau.“ Aber dann habe ich mich dabei ertappt, wie die Anspannung immer mehr wuchs und der Film immer mehr seine Wirkung entfaltete.
Carl Theodor Dreyer wählt für seine Erzählung der Leiden der jungen Jeanne D’Arc einen ungewöhnlichen und universellen Weg. Das Drehbuch entstand nur anhand der originalen Verhörungs Protokolle der Gerichtsverhandlung, die Jeanne dazu bringen sollte, ihre göttlichen Visionen zu widerrufen. So findet sich der Zuschauer zu Beginn des Films in einem nicht näher definierten und auch nie komplett gezeigten klösterlichen Gerichtsraum wieder. Kein historischer Chichi oder pompöse Ausstattung lenken von der Handlung ab.
Der Film scheint wie aus der Zeit gefallen. Dreyer interessieren nur Gesichter. Allen voran das der jungen Frau, deren Leid und Erschöpfung, aber auch trotziger Mut in ungeschminkten Großaufnahmen den Film zu einem emotionalen Fausthieb machen. Das authentische Spiel der Darstellerin Maria Falconetti wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Ihr Leid war mein Leid für 95 Minuten. Ich habe durch ihre Augen in die feisten, selbstgefälligen und bösen Augen der Männer geblickt, die sie drangsalieren, verhören und schließlich umbringen.
Ich weiß, das hört sich alles total überzogen an, aber Dreyer hat einem keine andere Wahl gelassen, als einzutauchen in die Gesichter und die Emotionen. Probiert es selbst aus. Der Film ist eine Tortur, ein Ereignis und eine ungemütliche Decke. Ein großartiger Angriff auf Körper und Geist. Ich bin gespannt, ob es auf meiner großen Reise ein weiterer Film schafft, mich so mitzunehmen und ein Gesicht mich so berühren kann, wie das ungeschminkte und dennoch wunderschöne von Maria Falconetti.

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