Greed (USA, 1924) Regie: Erich von Stroheim

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Vorher:

„Auch wenn ich drei Wochen Zeit zum Reden hätte, könnte ich nicht annähernd den Schmerz beschreiben, welchen mir die Verstümmelung meines Werkes bereitet hat.“ Mit diesen Worten beschreibt Erich von Stroheim seine Gefühle über die Kürzung seines Mammutfilms „Greed“.  Das Studio hatte, nachdem der Film einmal in voller Länge gezeigt worden war, von Stroheims wahnsinniges Projekt, das einen 8- 10 Stunden Film hervorbrachte, gnadenlos auf etwas über 2 Stunden runtergekürzt. Die Originalversion ist nicht mehr erhalten, weil versehentlich die herausgeschnittenen Filmszenen vernichtet wurden.

Ich begebe mich nun aber auf die Spuren des Filmhistorikers Rick Schmidlin, der 1999 anhand von erhaltenen Standfotos und Stroheims Drehbuch in Ansätzen versucht hat die Originalversion zum Leben zu erwecken. Ich traue mich nun also an 239 Minuten Film heran, von denen die Hälfte aus abgefilmten Fotos besteht. Kann so etwas funktionieren? Es klingt auf jedem Fall nach einem Abenteuer, dem ich mich nun voller NeuGier stelle. Sei nicht traurig, Erich, ich versuche ein wenig deinem Genie nachzuspüren.

PS: Ach so, worum geht es in dem Film? Um einen einfachen Zahnarzt, der der Geldgier erliegt. Mehr weiß ich gar nicht.

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Mittendrin:

„Mother Mc Teague implored the dentist to take her son as an apprentice.“

“Mc Teague felt his life was a success that he could hope for nothing better.”

“And for the first time in his life, Mc Teague felt an inkling of ambition to please a woman.”

“Fate steals along with silent tread.”

“The dangers gather as the treasures rise.”

“I don’t want you to talk like that. That money’s never to be touched.”

“And then the grind began.”

“Oh, wow could he have done it. All my money’s gone, my dear money.”

“And with all her gold she was alone- a solitary abandoned woman- lost in the eddies of the great cities tide- the tide that always ebbs.”

“Accursed thirst for gold! What dost thou not compel mortals to do?”

“Then the sun looked o’er the shoulder of the world.”

“Good Lord, what a country.”

“What did ya do with that 5000?”

“O cursed lust of gold! When for thy sake, the fool throws up his interest in both worlds. First, starved in this, then damn’d in that to come.”

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Hinterher:

Da bin ich wieder. Mein Haar ist verfilzt, meine Zähne sind golden und ich bin durch das Death Valley gewandert. Nach 4 Stunden „Greed“ habe ich erstmal ein großes Glas Wasser getrunken und durchgeschnauft. Das war eine aufregende Reise durch das Leben von John „Mac“ McTeague. Und, ihr ahnt es, das war nicht besonders glücklich.Von Stroheim hat mich 4 Stunden lang eingesogen in das Leben in San Francisco in den 1920er Jahren. Am Beispiel des gutmütigen und etwas grobschlächtigen Goldschürfers und Zahnarztes McTeague hat er ein episches Portrait eines Untergangs geschaffen.

Der Inhalt ist recht schnell erzählt: McTeague verläßt nach dem Tod seines Vater, eines Säufers, die Goldschürfer Gegend seiner Jugend und macht nach mehreren Lehrjahren eine eigene Zahnarztpraxis in San Francisco auf. Dort landet eines Tages die schüchterne und zarte Trina auf seinem Stuhl und er ist hin und weg. Ihn ergreift die Gier nach dieser Frau. Sie ist zwar mit seinem besten Freund verlobt, aber dieser überlässt sie ihm galant. Schicksalhaft für das weitere Leben des Paares ist ein Lottogewinn von 5000 Dollar, den Trina kurz vor der Hochzeit erhält. Der plötzliche Reichtum weckt ich Trina eine krankhaft Gier nach Gold. Sie liebt ihr Geld regelrecht und wird krankhaft geizig. Damit treibt sie sich und Mac in den Ruin. Ein erschütternder Abstieg beginnt, der in mehreren Katastrophen endet.

Ich habe wirklich 4 Stunden lang mitgelitten und ich muss sagen, dass ich die Idee mit den abgefilmten Standfotos für mich sehr stimmig fand. Es hat den Fluss des Films gar nicht gestört, sondern tatsächlich eine Ahnung gegeben, was von Stroheim da geschaffen hat. Die hinzugefügten Szenen haben kleine Nebenepisoden erzählt, die auch wichtig für das Verständnis der Hauptgeschichte waren.

Ganz besonders aufregend, neben den tollen Darstellern, dem wilden und gleichzeitig gutmütigen Gibson Gowland als Mac und der zarten und immer grimmiger und verhärmter werdenden Zasu Pitts als Trina, war das Setting. Von Stroheim hat alle Szenen vor Ort gedreht und ist in kein Studio gegangen. Er war wie besessen von Authentizität. Die Schauspieler mussten in der angemieteten Zahnarztwohnung leben, das Bier in den Gläsern musste trotz Prohibition echt sein und der aufregende Schluss wurde tatsächlich bei 50 Grad im Death Valley gedreht.Toll fand ich auch die Idee, in dem ansonsten natürlich schwarz weißen Film, nachträglich einzelne Gegenstände in Gold einzufärben. So blitzt es im Film immer mal wieder Golden auf, um den Zuschauer daran zu erinnern, wie allgegenwärtig die Gier nach Gold ist. Das Schürfergold am Anfang des Films, Macs Kanarienvogel, Trinas neue Zähne und ein riesiger Goldener Zahn, den Mac in der glücklichsten Zeit seines Lebens als Werbung in sein Praxisfenster hängt. Am Ende überstrahlt dann die Gier nach Gold alles. Der Showdown findet im goldenen Glanz der sengenden Hitze statt und alles ist in eine goldgelbe Patina getaucht.

Einziger Wehmutstropfen an „Greed“ ist, das man wahrscheinlich nie in den Genuss des gesamten Wahnsinnswerks von Stroheims kommt. Mir schwirrt immer noch der Kopf voller Gold, Bilder und Filmkunst. Ich könnte noch 1000 Sachen schreiben. Aber das lasse ich lieber, sonst kommt noch jemand und kürzt mir den Text auf ein Viertel runter.

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