Häxan (Schweden, 1922) Regie: Benjamin Christensen

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Vorher:

In der nordeuropäischen Filmgeschichte der 1920er wimmelt es ja nur so vor düsteren Gestalten. Nach einem deutschen Lehmmonster und schwedischen Untoten gibt es jetzt ein Stückchen Hexenkunde. Der Däne Benjamin Christensen berichtet, halb dokumentarisch, halb fiktiv in sieben Kapiteln die Geschichte der Hexerei und der Hexenverfolgung. Ich bin gespannt, ob ich einerseits einiges lerne und andererseits auch in angenehmes Fürchten versetzt werde. Das Titelbild der Films gruselt mich jedenfalls schon, seit ich es das erste Mal gesehen habe. Eine monsterartige Teufelsmaske, die mich an meinen Lieblingshorrorfilm der modernen Zeit erinnert: Rosemarys Baby.

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Mittendrin:

„Let us look into the history of mysticism. “

“Witches were believed to curse people with diseases.”

“The devil is everywhere and takes all shapes.”

“Well, Rasmus the Executioner! Let now the evil witch’s body sting.”

“I saw the witches kiss the evil on his behind.”

“During the witchcraft era it was dangerous to be old and ugly.”

“Poor little hysterical witch.”

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Hinterher:

Da bin ich wieder und mein Kopf sortiert sich gerade. Das war ein ziemlich eigentümlicher Film. Ob „Häxan“ tatsächlich ernsthaft als Dokumentarfilm gelten sollte? Ich habe keine Ahnung. Regisseur Christensen mischt schulartige Schautafelbelehrungen mit phantastischen und expressiven Spielszenen. „Häxan“ zeigt doch recht willkürlich und exemplarisch Episoden, Informationen und Gedanken rund um das Hexentum und die Hexenverfolgung. Taucht der Regisseur am Anfang als eine Art Lehrer in Form eines Zeigestocks auf, so präsentiert er sich im nächsten Kapitel genial gruselig als Teufel zurechtgemacht. „Häxan“ lässt sich auf jeden Fall in kein Genre pressen und konnte mich teilweise durchaus begeistern. Es gibt einige Spielszenen, die wirklich furchteinflößend sind und vor tollen Kostümen nur so strotzen. Am liebsten mochte ich die Szenen über das Teufelsfest in der Walpurgisnacht. Da geht es wild und verrückt zur Sache und zum Schluss stehen die Hexen Schlange, um dem Teufel den Arsch zu küssen. Herrlich. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie die Leute 1922 auf diesen Film reagiert haben. Er war außerhalb Dänemarks aber sowieso bis 1941 verboten. Ihr merkt schon, „Häxan“ lässt sich nicht wirklich vernünftig in Worte fassen, den muss man einfach mit eigenen Augen sehen. Nach wie vor bin ich von der Vielfalt, dem Einfallsreichtum und Frischheit von Stummfilmen begeistert. Ich kann nicht verstehen, wie man sie als angestaubtes Genre abtun kann. Sie haben alles, was moderne Filme auch haben- Farben, Dramatik, gute Geschichten, Musik, Tricktechnik und großartige Schauspieler. Nur eben keine Sprache. Aber die vermisse ich bisher auch gar nicht und freue mich auf sieben weitere stumme Jahre.

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