Der Fuhrmann des Todes (Schweden, 1921) Regie: Victor Sjöström

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Vorher:
Ich tauche immer mehr ein in die Untiefen des expressionistischen Films. Der Titel verspricht ja schon einiges. Ich gucke nun erneut einen Film von Victor Sjöström, mit dem ich in die isländische Natur geflüchtet war in „Berg Ejvind und seine Frau“. Jetzt erwartet mich eine Verfilmung eines Selma Lagerlöf Stoffes und Ingmar Bergmanns Lieblingsfilm. Hurra! Der Sommer kann kommen.

Mittendrin:
„Man kann David Holm nicht zu einer Sterbenden lassen.“

„Wer heute stirbt, muss ein Jahr lang den Totenwagen fahren.“

„Mit diesem Wagen fährt kein Lebender.“

„Aber jetzt fange ich ein neues Leben an.“

„Ich werde ihr zeigen, wie es ist, wenn einem das Herz gefriert.“

„Du kannst weder deinem schlechten Gewissen entgehen, noch meinem Amt.“

„Wie können sie mit so einem bitteren Hass auf ihre Mitmenschen leben?“

„Wann hörst du auf dich zu rächen David?“

„Gott, lass meine Seele vor der Ernte reif werden.“

Hinterher:
Die Geister, die ich rief- die Filme, die ich rief. Hier habe ich im Prinzip eine frühe Variante meines Titel gebenden Films, des Scrooge Themas, gesehen. Und ich bin wieder einmal sehr begeistert. Trotz des Alters des Films von 92 Jahren hat mich „Der Fuhrmann des Todes“ sehr mitgerissen und verzaubert. Nach einer Novelle von Selma Lagerlöf von 1912 (hat sie sich womöglich an Dickens orientiert?) erzählt Victor Sjöström die gleichzeitig phantastische und sozialkritische, realistische Geschichte des Trinkers David Holm. Der verbitterte, hasserfüllte und gebrochene Mann erzählt in einer schicksalhaften Silvesternacht zwei Kumpanen die Geschichte vom Fuhrmann des Todes. Einer armen Seele, die dazu verdammt ist ein Jahr lang die Seelen der Toten einzusammeln. Noch ahnt er nicht, dass er bald selbst in die durchschimmernde Halbwelt des Todes eintauchen muss. Ein alter Freund, der aktuelle Fuhrmann des Todes, steht plötzlich mit seiner grauenerregenden Geisterkutsche vor ihm und will ihm seine Bürde aufladen. Vorher reist er mit ihm aber noch durch Zeit und Raum und führt ihm vor Augen, was sein ungläubiges Wesen, dass sich von Gottes Nächstenliebe abgewandt hat, im Leben diverser Menschen angerichtet hat. Mit ihm erfährt der Zuschauer von Frau und Kindern und der selbstlosen Heilsarmee Schwester Edit, die, selbst auf dem Sterbebett liegend, nur noch einen Namen ruft: „David Holm“. Mich hat die Geschichte regelrecht in den Bann gezogen. Sjöström selbst als Hauptfigur David Holm war beeindruckend und das Filmerlebnis wurde durch den neu komponierten Soundtrack gesteigert, den ich absolut klasse fand. Wer also eine Schwäche für Geistergeschichten hat, für absolute Dramatik, für Ingmar Bergmann und die Scrooge Geschichte- der ist hier absolut richtig. Und alle anderen auch, weil es einfach ein großartiger Film ist.

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