Intolerance (USA, 1916) Regie: David Wark Griffith

Intolerance 1916
Vorher:
Die Filme werden immer länger. Jetzt bin ich schon bei 197 Minuten angekommen. Es gibt heute erneut David Wark Griffith. Er war halt der großartige Visionär der frühen Kinojahre. Da muss ich einfach diese beiden Filme sehen. „Intolerance“ ist aber nicht rassistisch und gilt als Gegenpol zu seinem Vorgänger „Birth of nation“, der mir doch ziemlich sauer aufgestoßen ist. Jetzt möchte ich Milch mit Honig. Mit dabei ist wieder die großartige Lillian Gish, deren Erscheinen in „Birth of a nation“ mich ein wenig beruhigt hatte. Es wird noch epischer und historischer.

Mittendrin:
„Our play is made out of four seperate stories, laid in different periods of history, each with it’s own set of characters.“

„The fragrant mystery of your body is greater than the mystery of life.“

„Say Kid, you’re going to be my chicken.“

„We’re afraid. You’re no fit mother.“

„Another bitter day, memorable through intolerance.“

„Babylon is falling! Babylon that mighty city is falling, is falling!“

„Oh God, don’t let them do it.“

„The beginning of the massacre of St. Bartholomew.“

„Medici, the old cat, is scratching out the lives of all your people.“
„Justice and restoration.“

„When cannon and prison bars wrought in the fires of intolerance and perfect love shall bring peace forever more. Instead of prison walls- bloom flowery fields.“

Hinterher:
Wenn das nicht Kino war, dann ist gar nichts Kino. Ich bin im 4. Jahr meiner Reise und könnte den Sack schon zumachen. Das war es. Besser geht’s nicht! Das war so eine knallvolle Tüte an Großartigkeiten, Erotik, Dramatik, Gewalt, Gut und Böse, Action, Kulissen und Moral- herrlich. Ich fühl mich auch übervoll und würde am liebsten explodieren. Das mache ich auch und es wird ein wirrer Text über diesen Film herauskommen. Da müsst ihr jetzt durch. „Intolerance“ ist ein Episodenfilm, der mich in vier Zeiten entführt hat. Aber nicht schön hintereinander, sondern im wilden Zickzack. Immer hin und her. Das Babylonische Zeitalter, die französische Renaissance, die Zeit Christi und die Gegenwart. In vielen Geschichten zeigt Griffith, wie es zu zugeht im menschlichen Beisammensein. Die Missgunst, die Intoleranz und die Engstirnigkeit sind allgegenwärtig. Manchmal siegt sie und manchmal nicht. Zur Ruhe bin ich nur kurz gekommen, wenn zwischendurch immer dasselbe Standbild kam, das die tolle Lilian Gish (schade, leider nur von weitem) als „ewige Mutter“ in einen Lichtstrahl getaucht zeigt, eine Wiege schaukelnd. Immer hin und her. Am Eindrucksvollsten fand ich neben der dramatischen zeitgenössischen Episode um eine junge Frau (im Film ganz herzallerliebst „The Dear One“ genannt), der übel mitgespielt wird, die Babylonische Episode. Das war ein geniales Feuerwerk an Kullissen, Kostümen, erotischen Festen und Kampfbelagerungen. Hier brilliert Constance Talmadge als „Mountain girl“. Eine widerspenstige Frau mit eigenem Kopf, die sich weigert auf dem Heiratsmarkt verhökert zu werden, sich einen Helm aufsetzt und im Kampf ordentlich mitmischt. Merkt ihr was? Die Frauen brillieren hier. Das finde ich ganz besonders toll. Ein Erlebnis war auch das Ende. Als ich nach 2 ½ Stunden so langsam den langen Atem zu verlieren glaubte, hat Griffith noch mal Gas gegeben, alle Episoden zu ihren Höhepunkten gebracht und dabei nochmal alle Handlungsfäden in einer aufregenden Sause verknüpft. Sass ich in der einen Minute noch mit dem „Dear Girl“ in einem rasenden Auto, neben einem Zug herfahrend, um meinen Ehemann vor der Hinrichtung zu retten, fand ich mich kurz darauf mit dem „Mountain Girl“ in einem Streitwagen von zwei Pferden gezogen, im irren Galopp Richtung Babylon, um vor dem erneuten Angriff eines verfeindeten Königs zu warnen. Ach, und zwischendurch war ich noch bei der Bartholomäusnacht und der Kreuzigung Christi dabei! Es gibt noch so viele Details und Beobachtungen von denen ich euch erzählen würde, aber das ist einfach zu viel. Ihr guckt euch den Film ja eh bald an, oder? Solltet ihr wirklich wirklich unbedingt tun. Etwas anderes kann ich nicht tolerieren. Ich beende meine Jubelexplosion mal mit einer zeitgenössischen Kritik: „INTOLERANZ ist nicht nur der weltgrößte Film. In Anlage und Umfang ist er das seit Jahrzehnten größte Kunstwerk gleich welcher Art überhaupt. Es ist das unglaublichste Experiment im Geschichtenerzählen, das je unternommen wurde…… Wir stehen im mittelalterlichen Frankreich und rutschen im nächsten Moment auf der Bananenschale der Zeit nach Babylon. Man glaubt, Amerika habe einen fest im Griff – im Handumdrehen trägt es einen zurück nach Palästina. Es ist, als höre man einem Quartett ausgezeichneter Sprecher zu, die gleichzeitig vier völlig verschiedene Romane vorlesen.“ (Julian Johnson, Photoplay, Dezember 1916)

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