Der Student von Prag (Deutschland, 1913) Regie: Hanns Heinz Ewers, Stellan Rye

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Vorher:
Auf sie mit Gebrüll. Heute geht es endlich los, das Jahr indem ich die Filmgeschichte im Sturm erobere. Das Zeitrad dreht sich ins Jahr 1913 und ich beginne mit „Der Student von Prag“. Ich habe auf den Startschuss jetzt so lange gewartet und hin gefiebert, dass mein Kopf ganz leer ist und ich einfach nur anfangen will. Deshalb schweige ich und wir sprechen uns in 85 Minuten wieder. Dann werde ich berichten, was Paul Wegener als Student von Prag erlebt hat und wie es so war vor 100 Jahren. 

Mittendrin:
„Es lebe Balduin, Prags bester Fechter und wildester Student.“

„Die Comtesse steckt Balduin ihr Amulett zu.“

„Ich bestätige den Empfang von 100 000 Goldgulden und gebe dafür Herrn Scapinelli das Recht, aus diesem Zimmer mitzunehmen, was ihm beliebt.“

„Und wo immer ich ruhen wollt‘ und wo immer ich sterben wollt‘ und wo ich ging/ und wo ich schlich- trat vor mich hin zu jeder Zeit ein fremder Mann in schwarzem Kleid/ der mir- so wie ein Bruder glich. –Alfred de Musset-“

„Ich bin kein Gott/ bin kein Dämon/ Doch sprach der recht/ der in mir Hohn Einst Deinen eigenen Namen gab: Wo du bist/ werd auch ich stets sein/ Bis zu der Stund‘ wo auf dem Stein
Ich sitze- über Deinem Grab. – Alfred de Musset-“

Hinterher:
Stumm? Schwarzweiß? Von wegen bzw. von Wegener….Das war wirklich ein toller Einstieg in meine Filmreise. Es gab so viel dramatische Musik, die das Geschehen stimmungsvoll kommentiert hat und was mich auch sehr begeistert hat, waren die vielen Farben. Je nachdem, ob die Szene nachts oder tagsüber gespielt hat oder in der Natur oder in einem Innenraum stattfand, wechselten die Farben. Mal ein kühles Blau, ein blasses Lila, ein warmes Beige oder ein mattes Grau. Bin ich zum Film 100 Jahre zurück gereist, so reist der Film noch weitere 100 Jahre zurück ins Jahr 1820. Der leicht arrogante, aber arme Student Balduin (was ein toller Name) ist unzufrieden mit seinem sozialen Status und verliebt sich obendrein noch in die Komtesse Margit, die einem anderen versprochen ist. Geld muss her. Da kommt der zwielichtige Herr Scapinelli gerade richtig, der 100 000 Gulden bietet und dafür nur Balduins Spiegelbild mitnimmt. Dass das eine ganz schlechte Idee ist, muss ich nicht erwähnen, oder? Der unheimliche 2. Balduin macht dem Studenten zukünftig das Leben zur Hölle und alles endet dramatisch. Ihr ahnt es. Natürlich musste ich mich an die statische Kamera, die langsame Erzählweise und das theatralische Spiel der Darsteller gewöhnen, aber gerade das fand ich auch als Herausforderung toll. Großartig waren die Doppelgängerszenen, wenn Hauptdarsteller Paul Wegener plötzlich zweimal im Bild war. Wie haben die das 1913 gemacht? Genial. Das war kein Double oder Zwillingsbruder. Ich bin baff. Wer hätte gedacht, dass ich schon beim ersten Film so positiv überrascht bin? Ihr alle, oder? An Euphorie und Begeisterung mangelt es mir ja selten. Aber ich brauch ja auch noch Schwung für 99 weitere Jahre. Für 1914 verlasse ich das düstere Prag, guck schnell in den Spiegel, ob die 2. Annika auch brav an ihrem Platz ist und auf geht’s nach Italien.

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