Orlando (England u.a., 1992) Regie: Sally Potter

orlando

Vorher:
Endlich! „Orlando“ ist ein Film auf den ich mich schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten freue. In dieser Virginia Wolf Verfilmung glänzt die tolle Tilda Swinton in verschiedenen Jahrzehnten und verschiedenen Geschlechtern. Ihr Androgynität wird hier bestimmt wunderbar in Szene gesetzt. Ich erwarte einen optisch berauschenden und künstlerisch anspruchvollen Film, der mich angenehm verwirrt zurücklässt und mir die Ideen über das Frau sein und das Mann sein im Kopf durcheinanderwirbelt.

Mittendrin:
„And there can be no doubt about his upbringing. Good food, education, a nanny, loneliness and isolation.”

“All you call yours, is mine already.”

“But in one condition. Do not fade, do not whither, do not grow old.”

“I no longer care for a career, Moray. I’m only interested in love.”

“Nothing thicker than a knife’s blade separates melancholy from happiness.”

“Same person.No difference at all… just a different sex.”

“Sir, I accept your general rule, that every poet is a fool, but you yourself may serve to show it, that every fool is not a poet.”

“Orlando, to me you were and always will be, whether male or female, the pink, the pearl, and the perfection of your sex.”

“Nature, nature. I am your bride. Take me.“

“She’s lived for 400 years and hardly aged a day; but, because this is England, everyone pretends not to notice.”

Hinterher:
Tilda macht mein Leben einfach besser. Das habe ich jetzt nochmal phantastische 90 Minuten gespürt. Ich bin mit ihr durch die Jahrhunderte gereist, hatte wahnsinnige Kostüme an und habe das Leben in allen Facetten kennengelernt. „Orlando“ ist ein Wesen, das, ohne dass es sich so richtig erklären kann, einfach nicht altert und mitten im Film über Nacht sogar das Geschlecht wechselt. Der Film zeigt sein /ihr Leben von 1600 bis in die Gegenwart. Aber wer weiß schon, ob es Orlando nicht schon vorher gab und es sie noch weiter gibt. In relativ kurzen Episoden zeigt Regisseurin Sally Potter Orlandos Leben und ordnet ihnen große Themen zu (Tod, Liebe, Poesie, Politik, Gesellschaft, Sex, Geburt). Immer wieder wendet sich Orlando dabei mit intensivem Blick dem Zuschauer zu und gibt einen lakonischen Kommentar zu dem eben Erlebten ab. Das hat mich jedes Mal ins Herz getroffen und ich habe mich wie ein kleines Mädchen (oder etwa wie ein kleiner Junge?) gefreut, das Orlando mit mir spricht, mich meint und Witzchen über die Seltsamkeiten des Lebens macht. Ich fand das war ein toller Kniff der Regisseurin, um den Zuschauer in Orlandos magische Welt mit einzubeziehen. Ich habe mich auf jeden Fall sehr wohl gefühlt mit Orlando, habe viele Motive aus Literatur, Kunstgeschichte und allgemeiner Geschichte entdeckt, bin Schlittschuhlaufen gegangen, habe Jimmy Sommerville für Elisabeth die I. singen hören, bin durch ein Gartenlabyrinth gelaufen und noch so vieles mehr. Ich möchte euch wirklich bitten, „Orlando“ zu sehen und euch darauf einzulassen. Ein toller, außergewöhnlicher, humorvoller Film, der bestimmt nicht jedem gefällt, aber für mich eine Bereicherung war. Ich lege mich jetzt erst mal 6 Tage schlafen, so wie Orlando es im Film tut, wenn irgendwie alles im Leben zu viel wird. Wer weiß, ob ich mich in einen Mann verwandelt habe, wenn ich erwache.

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