Ladri di biciclette (Italien, 1948) Regie: Vittorio de Sica

fahrraddiebe

Vorher:
„Fahrraddiebe“. Der Inhalt ist schnell erzählt. Einem Vater wird das Fahrrad geklaut und er macht sich mit seinem Sohn auf, es wiederzubekommen. Das könnte eine schlechte Kevin James/ Adam Sandler Komödie sein…oder ein italienischer Neorealismus Film. Ihr ahnt hoffentlich, um was es sich dreht. Vittorios de Sicas Film, der im Rom der Nachkriegszeit spielt, ist ein Film der immer wieder in den Bestenlisten auftaucht. Was der Zauber daran ist, das werde ich hoffentlich in den nächsten 90 Minuten erfahren. Mit Fahrrädern habe ich als Münsteranerin ja so meine Erfahrungen. Rauf auf den Sattel- Neorealismus, ich komme!

Mittendrin:
„Fahrrad ist Bedingung. Das steht auch drauf. Du hast doch ein Fahrrad?“

„Ich hab das Leben ja so satt.“

„Komm steig auf, Maria.“

„Was glauben sie, wie viel Räder jeden Tag gestohlen werden.“

„Komm Bruno, du bleibst jetzt schön bei mir.“

„Ich weiß auch nicht weiter. Wir gehen gleich nach Haus.“

„Gib das Rad her, oder ich schlag dich tot.“

„Hier weiß keiner was von deinem Fahrrad. Mach das du wegkommst.“

Hinterher:
Plopp. Die Träne ist dann mal eben vom Kinn runter getropft. Ich muss mich erst einmal ein wenig sammeln. Die Kritik hat nicht gelogen. Das war schon ein besonderes Filmerlebnis. Ich habe mich auf eine nerven- und herzzerreißende Reise in das verzweifelte Nachkriegs Rom begeben. Die aussichtslose Situation des arbeitslosen Antonio, der endlich durch eine Anstellung als Plakatkleber ein wenig Hoffnung schöpft, die ihm mit dem Fahrradklau aber ebenso schnell wieder genommen wird, ging mir schon ziemlich an Herz und Nieren. In jeder Szene, in der Antoino in heller und intensiver Verzweiflung in Begleitung seines verwirrten und traurigen Sohnes Bruno sein existenziell wichtiges Fahrrad sucht, zeigt sich das Nachkriegsleben der 40er Jahre. Mich haben vor allem die Vater- Sohn Darsteller begeistert. Das war keine niedliche „Hey, diese lustige Suche schweißt uns zusammen“ Aktion, sondern ein für beide Seiten verwirrendes Zurechtkommen in einer kaputten Welt. In der der Vater vor seinem Sohn bloßgestellt wird und der Sohn endgültig einer Kindheit Adieu sagt. Ich fand es ziemlich beeindruckend, dass de Sica für seinen Film Laiendarsteller verpflichtet hat, das war absolut passend für die Art des Films. Mein Einstieg in den Neorealismus ist gelungen. Ich mache gerne weiter und möchte euch auch dringend bitten „Fahrraddiebe“ zu sehen und in euer Filmherz zu schließen.

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