Haevnen (Dänemark, 2010) Regie: Susanne Bier

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Vorher:
Wie bitte? Haevnen? Was ist das denn für eine Sprache? Es ist dänisch und einige von euch sind eher mit dem deutschen Titel „In einer besseren Welt“ vertraut. Regisseurin Susanne Bier hat hierfür den Oscar für den besten ausländischen Film bekommen. „Haevnen“ hat auch sonst sehr gute Kritiken bekommen und wurde mir auch von Freunden empfohlen. So freue ich mich auf einen mitreißenden Film ohne auch nur einen Schauspieler zu kennen oder überhaupt zu wissen, worum es geht. Wohin es jetzt in den nächsten 2 Stunden geht? In eine bessere Welt? Vielleicht…Aber sicherlich in eine fremde Welt.

Mittendrin:
„Wir können doch miteinander reden.“ „Muss nicht sein.“

„Du schlägst ihn, er schlägt dich und du schlägst zurück, so hört das nie auf.“

„Es ist so trist ohne dich.“

„Ich will dir verzeihen, aber ich kann nicht.“

„Er ist ein Idiot. Wenn ich ihn schlage, bin ich auch ein Idiot.“

„Sie wollte nicht sterben, aber du hast aufgegeben. Und ich mag keine Leute, die aufgeben.“

„Was ist nur in sie gefahren?“

„Manchmal ist es, als wäre ein Schleier zwischen dir und dem Tod. Dieser Schleier wird weggerissen, wenn man jemanden verliert, den man liebt oder dem man nahe ist. Und dann sieht man den Tod ganz klar für einen kurzen Moment. Und dann fällt der Schleier wieder auf seinen Platz. Und man macht weiter. Und es wird besser.“

Hinterher:
Huch! Es ging gar nicht in eine so fremde Welt. Weite Felderebenen, im Hintergrund Windräder und ein kleines idyllisches Städtchen mit Backsteinhäusern. Susanne Bier entführt mich in eine Welt, die mich an meine Heimat, das Emsland, erinnert. Der Spielort ist aber ein kleines Städtchen im südlichen Dänemark und ich bin mit voller Wucht in das Leben zweier Familien reingerauscht. Ich habe den Film schon gestern gesehen und mir einen vollen Tag genommen, um ihn wirken und sacken zu lassen. Und glaubt mir, das war nötig. „Haevnen“ hat mich emotional berührt, wie es selten ein Film getan hat. Die fünf Hauptfiguren müssen große Konflikte austragen. Es geht um Trennung, Verlust, Hilflosigkeit, Gewalt und Isolation. Ein Arzt und Familienvater sieht sich mit der unfassbaren Situation eines Flüchtlingslagers im Sudan konfrontiert und auch sein Familienleben zuhause bereitet Probleme. Von seiner Frau hat er sich getrennt und sein Sohn wird in der Schule schikaniert. Hilfe bekommt dieser vom neuen Mitschüler Christian, der mit dem Tod seiner Mutter zu kämpfen hat und eine extreme Form der Selbstjustiz entwickelt. Viel mehr möchte ich inhaltlich gar nicht verraten. „Haevnen“, direkt übersetzt „Rache“, ist wirklich ein wahnsinnig intensiver Film. Mich hat das Hauptthema der Gewalt richtig emotional angegriffen. Ich bin ein Fan von Horrorfilmen und bin bei Gewalt nicht gerade zimperlich. Aber in diesem intensiven, realistischen Kontext hat mich das sehr mitgenommen. Ich war den ganzen Film über völlig unter Anspannung. Hinzu kommt noch, dass die Schauspieler wunderbar waren, allen voran Mikael Persbrandt als Arzt Anton. Kontrastierend zu dem schweren und traurigen Thema ist der Film wunderbar gefilmt und in warme Farben getaucht. Das hat es für mich auch so verwirrend und gefühlsintensiv gemacht. Ich habe tolle Bilder von einem schönen dänischen Küstenstädtchen gesehen, wo ich gerne mal Urlaub machen würde. Gleichzeitig haben mich die Schicksale und emotionalen Verwirrungen der Figuren tief und traurig berührt. Was für mich ganz wichtig war, war, dass der Film ein versöhnliches Ende hatte. Kein richtiges Schnulzen Happy End. Aber ein großer Hoffnungsschimmer, dass doch alles irgendwie weitergeht und gut wird. Dass wir auch nach großen Katastrophen geläutert aus der Krise hervorgehen und von nun an „In einer besseren Welt“ leben. By the way….während ich das hier schreibe, muss ich schon wieder heulen.

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