Il Gattopardo (Italien, 1963) Regie: Luchino Visconti

Vorher: Mein G wird ein weiteres Mammutwerk der Filmgeschichte und mein erster Film von Luchino Visconi sein. Ich war immer davon ausgegangen, dass ich bei ihm mit „Tod in Venedig“ starte. Aber vielleicht ist „Der Leopard“ (so der deutsche Titel) die bessere Wahl. Mich erwartet ein dreistündiger Kostüm- Familien- Gesellschaftsfilm. Neben Burt Lancaster, Alain Delon und der nach „Fitzcarraldo“ 18 Jahre jüngere Claudia Cardinale ist auch ein gewisser Mario Girotti dabei, dessen blaue Augen meine Kindheit begleitet haben. Terence Hill trägt hier noch seinen bürgerlichen Namen. Ich bin gespannt wie mir Visconti gefällt und wie mir 3 Stunden Kostümfilm auf Sizilien bekommen. Avanti!

Mittendrin:
„Du bist und bleibst ein lockerer Zeisig.“

„Wir leben in einer beweglichen Wirklichkeit. In einer Welt, die sich tagtäglich verändert.“

„Ich wurde befördert, weil mir eine Fliege ins Auge geflogen ist.“

„Ein wahrer Engel. Ihre Bettlaken haben bestimmt den Duft des Paradieses.“

„Hier gibt’s kein Ende. Das ist ein Anfang.“

„Ich gehöre einer unglücklichen Generation an, die zwischen der alten und der neuen Welt steht. Und sich in keiner von ihnen zurechtfindet. Und obendrein bin ich, wie sie vielleicht bemerkt haben, frei von Illusionen.“

„Aus Eitelkeit nehmen sie ihr Elend nicht wahr.“

„Wir waren die Leoparden, die Löwen, die Adler. Unseren Platz werden Schafe, Schakale und Hyänen einnehmen. Doch in einem gleichen wir uns, Leoparden, Schakale, Hyänen und Schafe: alle glauben nämlich von sich sie seien das Salz der Erde.“

„Was fasziniert dich da? Hofierst du dem Tod?“

„Was ist mit dir Onkel? Draußen wird getanzt.“

„Du hast alles verraten, woran du einmal geglaubt hast.“

„Du glitzernder Stern erwartest mich auch heute. Wann wirst du beschließen mir ein weniger flüchtiges Stelldichein zu gewähren? Weit fort von der Erde, in deiner fernen Legion ewiger Gewissheit.“

Hinterher:
Ich bin hypnotisiert. Von Burt Lancaster und von der Schönheit dieses Films. Soviel Schönes sah ich selten und ich bin begeistert. Mit heißem Kopf bin ich eingetaucht in das Leben auf Sizilien im Jahre 1860. Ich spürte den Staub auf meinem Gesicht, die sizilianische Sonne auf meiner Haut, ich hörte die schweren Seidenkleider rascheln und fühlte den schweren, verschlungenen Zopf auf meinem Kopf und tanzte mit Burt Lancaster. „Der Leopard“ ist eine sizilianische Familiengeschichte um den Fürsten von Salina, der sich und sein Leben plötzlich mit politischen Umwälzungen konfrontiert sieht. Visconti bereitete mir einen warmherzigen Blick auf den Adel, der in unruhigen Zeiten seinen herrschaftlichen Platz in der Welt ins Wanken geraten sieht und nicht so richtig weiß, wie er damit umgehen soll. Burt Lancaster symbolisiert das müde, heiße, selbstzufriedene und unanpassbare Sizilien. Die genauen politischen Umstände Italiens dieser Zeit müsst ihr an anderer Stelle nachlesen. Ganz genau hat es sich mir nicht erschlossen. Das war aber meiner Meinung auch nicht ausschlaggebend für das Verständnis des Films. Viel wichtiger war mir die Stimmung, die schöne Ausstattung, die phantastischen Landschaftsaufnahmen und die großartigen Schauspieler, allen voran Burt Lancaster, der mich wirklich begeistert hat. Am Ende schlendere ich mit dem alten Leoparden durch eine rauschende Ballnacht, beobachte alles, werde immer müder und kleiner und ziehe mich langsam zurück. Doch nicht ohne vorher noch einmal zum stolzen Raubtier zu werden und mit der jungen, schönen Claudia Cardinale zu tanzen, um sie dann in die Arme des wunderschönen Alain Delon abzugeben. Der Leopard ist müde, der Film ist zu Ende und die Zukunft fängt an. Hui, was habe ich einen schönen und traurigen Film gesehen. Angucken! Unbedingt!

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