Fitzcarraldo (Deutschland, 1982) Regie: Werner Herzog

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Vorher:
Heute gucke ich mir meinen zweiten Film der coolsten Sau der Erde an. Werner Herzog. Ich hatte schon das Vergnügen, seinen Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“ zu sehen. In dem er nicht nur seine Hassliebe zu seinem Stammschauspieler Klaus Kinski portraitiert, sondern auch deutlich wird, wie hartgesotten und dabei ruhig dieser Mensch ist. Unbedingt sehenswert. Heute gibt es für mich einen Werner Herzog Spielfilm, natürlich auch mit Kinski. „Fitzcarraldo“ ist ein wahnsinniger, der im Dschungel ein Opernhaus bauen will. Herzog, Kinski, Dschungel, Opernhaus. Das alleine reicht für mich schon, um mich auf den Film zu freuen. Die DVD, die ich ausgeliehen habe ist außerdem mit einem Audiokommentar von Herzog ausgestattet und es gibt eine Dokumentation hinten drauf. Das reizt mich alles. Auf geht’s! Mit Werner an meiner Seite kann mir nichts passieren.

Mittendrin:
„Diese Kirche bleibt geschlossen, bis diese Stadt eine Oper hat.“

„Es muss faszinierend sein, bankrott zu machen.“

„Auf Fitzcarraldo, den Eroberer des Nutzlosen.“

„Ich bin in der Überzahl. Ich bin die Milliarden. Ich bin das Schauspiel im Wald.“

„Was wollen sie eigentlich dort oben?“ „Ich plane etwas Geografisches.“

„Es gibt Stille und Stille. Und die hier gefällt mir gar nicht.“

„Dieser Gott kommt aber nicht mit Kanonen, er kommt mit der Stimme von Caruso.“

„Meine Freunde, ich sag euch, die Reise geht weiter.“

„Dieser Abhang mag nichtsagend aussehen, aber er entscheidet mein Schicksal.“

„Wir schleppen das ganze Schiff über den Berg. Und dabei werden die Nacktärsche uns helfen.“

„Du bist der beste Säufer der über die Erde wankt.“

„Auf die Besänftigung der bösen Geister des Pongo.“

Hinterher:
Ich lasse Enrico Caruso im Urwald singen und vorher trage ich noch einen Flußdampfer über einen Berg. Alles klar! Opernliebhaber Brian Sweeney Fitzgerald, genannt Fitzcarraldo lebt in Inquitos in Peru, ist glücklich mit der Bordellbesitzerin Molly (bezaubernd: Claudia Cardinale) und hat einen Traum: ein Opernhaus bauen. Um diesen zu verwirklichen, entspinnt er einen Plan und begibt sich in ein Abenteuer. Und ich bin gerade zweieinhalb Stunden mit ihm gereist. Was für ein eindrucksvoller Film. Die Musik, der Dschungel und dazwischen Kinskis gelber Wirrkopf. Werner Herzog inszeniert Naturgewalten, Egogewalten, Größenwahnträume und das gewaltsame Zwängen der Kultur in die Natur. Mit kindlichem Trotz beschallt Fitzcarraldo den Fluss und die Naturvölker mit seiner Opernmusik und will mit dem Kopf durch die Wand beziehungsweise mit dem Schiff übern Berg. Das war ein ethnologischer Ausflug, eine Naturreise, ein Drama, eine Kinski One- Man- Show und ein Wahnsinn. Ich will jetzt auch irgendwas Verrücktes machen. Nackt Ostereier suchen, in einem weißen Leinenanzug und mit wirren Haaren Klaus Kinskis Grab besuchen und es anschreien, aber auf jeden Fall noch mehr Werner Herzog Filme sehen. Fitzcarraldos Aufgabe weist natürlich Parallen zu Herzogs Projekt der Dreharbeiten auf. Herzog selbst schrieb in seinem Tagebuch: „Die Dreharbeiten im Dschungel gestalteten sich so schwierig, dass meine Aufgabe und die der Figur identisch geworden sind“. Aber der ganze Scheiß hat sich gelohnt. Mich jedenfalls hat der Film begeistert und fasziniert. Der Flussdampfer, der sich über den Berg schiebt, Kinski, der in den Urwald Baumkronen stehend seine Arme ausbreitet, das friedliche, von Musik erfüllte Ende, das mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat….das alles hat sich in meine cineastische Biografie eingebrannt. Puh, das klingt jetzt aber auch ganz schön wahnsinnig, oder? Klaus und Werner hinterlassen halt ihre Spuren. Als nächstes lasse ich den Audiokommentar von Herzog nebenher laufen und werde erfahren, wie das alles wirklich war. Erwähnenswert fand ich neben der Opernmusik im Film noch die Musik von Popol Vuh. Deutsche Krautrock Gitarrenmusik passt so gar nicht zur Szenerie und genau deshalb in diesen Film. Lasst dieses Jahr Ostern mal Ben Hur und Spartacus im TV an euch vorbeilaufen und wagt euch nach Südamerika. Am Ende wird der Amazonas für euch singen und ihr werdet in einer Hängematte mit Claudia Cardinale schmusen.

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