Lawrence von Arabien (England, 1962) Regie: David Lean

Vorher:
Das Wüsten Epos schlechthin und eigentlich muss man im Kino sitzen, wenn man in den blauen Augen von Peter O’ Toole versinkt. Aber na ja… Worum es eigentlich geht, weiss ich schon wieder nicht. In welche Zeit begebe ich mich gleich, welcher Krieg wird gerade ausgetragen? Gibt es überhaupt eine weibliche Figur in diesem Film? Kann ich als Frau diesen Männerfilm auch genießen?

Mittendrin:
„Die meisten großen Dinge fangen zunächst klein an, Sir.“
„Lawrence, nur zwei Arten von Wesen macht die Wüste Spaß, Beduinen und Göttern. Und sie sind beides nicht.“
„Ich sehne mich nach den entschwundenen Gärten von Cordoba.“
„Kein Mensch kann die Wüste Nefud durchqueren.“
„Dies ist der Glutofen der Sonne.“
„Deine Mutter hat sich mit einem Skorpion gepaart.“
„Du wirst deine neun Leben verbrauchen, ziemlich rasch.“
„Habt vertrauen zu den Euren und lasst mich wieder zu den Meinen.“
„Also gut, ich bin außergewöhnlich. Und wenn schon.“
„Die besten werden nicht des Geldes wegen kommen, sie werden meinetwegen kommen.“
„Ich will noch ein Bild von ihrer dreckigen Fratze machen. Weil die Welt für eine dreckige Fratze bezahlt.“

Hinterher:
Die Wüste ist ein schöner Ort. Die Wüste ist kein schöner Ort. Was für Bilder, was für ein Mann! Das kann man in allen Belangen großes Kino nennen. Große Weite, große Emotionen, große Anstrengungen, große Männer. Es geht neben der Biografie eines fast unmenschlich großartigen und eigensinnigen Menschen, natürlich auch um die Völkerverständigung und echte Männerfreundschaften. Neben dem wunderbaren Peter Blue Eye O’Toole ist natürlich die Wüste die große Hauptfigur, die sich in allen schönen und hässlichen, bezaubernden und grässlichen Facetten zeigt. Toll fand ich auch die Verwandlung von Lawrence von einem unbeholfenen, englischen Offizier zu einem großen arabischen Helden, der sich in seinem Beduinen Gewand viel mehr als Mensch fühlt, als alle seine militärischen Kollegen in den Uniformen. Er ist aber trotz Heldentum ein zerrissener Charakter auf der Suche nach seiner Identität zwischen Brite und Araber sein. Zwischen jesusähnlicher Identifikationsfigur und zweifelndem überforderten Idealisten.
Was sonst noch großartig war? Die Kostüme, der Soundtrack, die Dialoge, die Dramatik, die Vielseitigkeit, mit der die unterschiedlichen Gesichter der Wüste gezeigt wurden, Peter O‘ Tooles Augen und Haare. Einziger Wehmutstropfen war für mich natürlich, dass ich das Ganze nicht im Kino genossen habe.

Bonustrivia:
Als Peter O’Toole am 24. März 2008 bei dem amerikanischen Talkmaster Jay Leno zu Gast war, gab er folgende Anekdote zum Besten: „Am Tag, als der Sturm auf die Stadt anstand und die Massenszene mit Omar Sharif und mir auf Pferden und den unzähligen Statisten auf Kamelen gedreht werden sollte, beschlossen Omar und ich – da wir eine Heidenangst vor diesem Teufelsritt hatten – uns gründlich zu betrinken. Omar band sich zur Sicherheit noch an seinem Pferd fest. Nachdem wir in der Stadt angekommen waren, musste jemand von der Requisite Omar vom Pferd losschneiden, da dieser mittlerweile vom Pferd herunter hing. In einem Zeitungsartikel bewunderte man später die unglaubliche Entschlossenheit, die während des Ritts in meinem Blick gelegen hatte. In Wahrheit war ich zu dem Zeitpunkt einfach nur sternhagelvoll.“

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