Moderne Zeiten (USA, 1936) Regie: Charlie Chaplin

Vorher:
Ich begebe mich mit Charlie Chaplin in die Mühlen der Industrie. Seine „modernen Zeiten“ sind nun schon 75 Jahre her. Ich bin gespannt, wie sehr Charlies Kritik an der Moderne heute noch Wirkung zeigt. Ich habe von Chaplin tatsächlich bisher erst „Der große Diktator“ gesehen, der mich sehr berührt und zum Lachen gebracht hat. Warum habe ich denn bloß nicht schon längst Chaplins sämtliche Filme gesehen? Frechheit…Ich esse gleich meinen Schuh auf…Wer mir sagen kann, in welchem Chaplin Film das vorkommt, dem schenke ich eine Packung Lakritz.
Mittendrin:
„Wir beginnen mit dem automatischen Suppenteller mit Luftkühlung, der jegliche Energievergeudung durch pusten hinfällig macht.“
„Ich werde es schaffen. Wir werden ein Heim haben. Selbst wenn ich dafür arbeiten muss.“

Nachher:
Das war sie also Chaplins Kritik an der modernen Arbeitswelt. Der Mensch in der automatisierten Welt wird einem Roboter gleich gemacht. Nur Chaplin ist menschlich geblieben und sticht aus der Masse der Arbeiter heraus. Die Technik missbraucht den Menschen. Und Chaplin missbraucht die Technik für seine Gags. Wer ist hier der Gott? War das Chaplins letzter Stummfilm? Nein, eher eine Persiflage auf den Tonfilm. Die Sprache und die Geräusche gehen nur von den Maschinen und technischen Geräten aus. Der Mensch bleibt stumm. Der Arbeiter hat in der industrialisierten Welt keine Stimme. Chaplin ist der arme Thor, der unverschuldet von einem Ärger in den Nächsten gerät. Wir erleben ihn als Fabrikarbeiter, Knasti, Kellner, Hafenarbeiter und Nachtwächter und immer tobt das Chaos. Und alle Stolperer und Missgeschicke hat man schon irgendwo mal gesehen. Aber im Original sind sie doch am schönsten. Chaplins Tramp ist mir jetzt endlich mal im Original begegnet und nicht als popkulturelles Zitat. Ich fand ihn wunderbar. Und freue mich auf viele weitere Chaplin Filme, die ich zum ersten Mal sehen darf. Zum Schluß lasse ich Chaplin selbst zu Wort kommen: „Die beiden einzigen lebendenden Geister in einer Welt der Automaten. Sie leben wirklich. Beide besitzen einen ewig jugendlichen Geist und gehorchen keiner Moral. Lebendig, weil wir Kinder sind ohne Verantwortungsgefühl, während der Rest der Menschheit von Pflichten niedergedrückt wird. Wir sind im Geiste frei. Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt durch Betteln, Borgen, Stehlen. Zwei fröhliche Geister, die sich mehr oder weniger ehrlich durchs Leben schlagen.“ Charles Chaplin in einer Skript-Notiz über den Tramp und Gamine in Moderne Zeiten

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