Das Schweigen (Schweden,1963) Regie: Ingmar Bergman

Vorher:

Los geht das Abenteuer. Und das ausgerechnet mit Schweigen. Dabei soll es doch hier unterhaltsam und gesprächig zugehen…Ingmar Bergmann. Puh, der hängt wie eine dunkle Wolke über meiner Filmleidenschaft und ich habe mich bisher nie rangetraut. Mit keinem Regisseur verbindet man mehr Tristesse und Nachdenklichkeit. Aber er wird auch von meinem Lieblingsregisseur Woody Allen verehrt und „Das Schweigen“ war doch schließlich ein Skandal damals. Ich erwarte mir da wenigstens zwischen der Stille etwas Sex und Drama. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, worum es eigentlich geht. Um Beziehungen, alles spielt sich kammerspielmäßig an einem Ort ab. Und eine Frau wird vergewaltigt, oder war es eine Masturbationszene, die die Leute damals schockiert hat? Ohne dass ich das alles in der IMDB nachlese, beginnt das Schweigen. Wir sprechen uns in ca. 91 Minuten wieder. Wie wird es mir dann gehen?

Mittendrin:

Sexuelle Spannung schon in der ersten Szene im Zug. Wer sind die Leute. Denen geht es nicht gut. Schwestern oder? Mir wird auch schon ganz heiß und übel. Der Junge, ist das Ingmar selbst als Kind? In der bedrohlichen Welt draußen- nur Männer. Noch mehr Isolation: die sind im Ausland. Welches Land? Russland? Warum sind die da? Was sind das eigentlich für Menschen? Das interessiert mich gar nicht. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt die Bilder zu genießen und die Symbole zu deuten. Das große Ganze. Und nicht eine Geschichte, die erzählt wird. Was will Ingmar mir damit sagen? Das ist keine Unterhaltung, sondern eine Reise in die Psychologie. Rahmen und Grenzen spielen eine große Rolle. Voyeurismus. Blicke durch Türen, Fenster, in Spiegel. Und diese zwanghafte Haare kämmen…

Nachher:

„Wie schön es ist, dass wir nicht miteinander reden können.“ Das war er wohl, mein erster Bergman. Und was soll ich sagen: er war so ziemlich wie erwartet. Es wird natürlich viel geschwiegen und eher mit klaren und tollen Bildern gesprochen. Jeder kennt Bergmanns Optik. Statische Bilder, Gesichter in Großaufnahme in Türen oder an Fenstern. Mir hat das alles sehr gut gefallen und ich habe die ganze Zeit gedacht: wirklich wunderbar klar, ausdrucksstark und emotionslos. Trotzdem bin ich jetzt ein bisschen mitgenommen. Es werden schließlich die großen Themen und Probleme angefasst. Isolation, Sex, Familie, Hass, Liebe, Hassliebe, Zurücklassen. Frau mit ihrem Sohn und ihrer Schwester in einem namenlosen Ort in einem einsamen Hotel. Die Schwester wird verrückt, der Junge beobachtet verwirrt diese skurrile Welt der Erwachsenen und seine Mutter versucht sich von ihrer kranken Schwester zu lösen und schafft es am Ende auch. Ich muss sagen, ich fühle mich am Ende ein wenig wie der Junge: verwirrt und fasziniert. Ich denke auch ich brauche einen Zettel mit ein paar übersetzten Worten für Bergmans Sprache. Es war übrigens tatsächlich eine angedeutete Masturbation drin. Und eine Gruppe Liliputaner, die mehrfach auftauchte. Und dieses wunderbare Bild der zwei Gesichter, das ich sonst von Woody Allen kenne und das wir alle von ABBA kennen. Ein Gesicht frontal und davor das zweite Gesicht im Profil. Bergman, hast du mich am Haken? Vielleicht schon. Deine Bilder haben mich in jedem Fall fasziniert. Vielleicht mache ich zwischendurch mit Woodys Hommage an dich weiter. Aber ich komme bald wieder, versprochen. Und dann esse ich „Wilde Erdbeeren“ und spiele Schach mit dem Tod.

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Ein Kommentar zu „Das Schweigen (Schweden,1963) Regie: Ingmar Bergman

  1. Habe DAS SCHWEIGEN auch noch nicht gesehen, wohl aber WILDE ERDBEEREN (ein absolut toller, wunderbar melancholischer Film) und DAS SIEBTE SIEGEL (heisst der so auf Deutsch, und auch nicht schlecht auch wenn mich WILDE ERDBEEREN mehr ansprach).

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